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Presse-Info |
Frankfurt, 24. Juni 2004
Klaus Mehrens auf Tagung des Automobil-Arbeitskreises:
„Angstkampagne der Arbeitgeber gefährdet Standort“
„Das Spiel mit der Angst vor Arbeitsplatzverlust ist nicht nur menschenunwürdig, es ist auch wirtschaftlich unsinnig, weil es die Leistungsmotivation der Beschäftigten hemmt.“ Mit dieser Aussage hat Bezirksleiter Klaus Mehrens heute vor betrieblichen Funktionärinnen und Funktionären des Bezirks Frankfurt (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Thüringen) aus Hersteller- und Zuliefererbetrieben der Autoindustrie die in diesem Wirtschaftsbereich grassierenden Androhungen von Verlagerungen in Billiglohn-Länder kommentiert. Das Mittel der Drohung werde ebenso wie das Gerede von angeblichen Standortnachteilen bewusst eingesetzt, um die Beschäftigten erst zu verunsichern und um dann aus dieser Verunsicherung Profit zu schlagen, kritisierte der Bezirksleiter. „Was wir zur Zeit bei Siemens VDO und in anderen Unternehmen der Automobilindustrie erleben, grenzt an Erpressung, wirtschaftliche Notwendigkeiten sind dafür nicht zu erkennen.“
Tarifverträge, über Jahrzehnte Garanten für Arbeitsfrieden und soziale Arbeitsbeziehungen in Deutschland, würden durch Forderungen nach Arbeitszeitverlängerungen und sonstigen Verzicht entwertet. Die soziale Kultur unseres Landes würde ohne Not aufs Spiel gesetzt. Denn niedrigeren Lohnkosten an Standorten im Ausland stünden nach wie vor eine Reihe von Wettbewerbsvorteilen an deutschen Standort gegenüber. Dazu würden insbesondere hohe Produktivität und Innovationsfähigkeit zählen. Genau diese Vorteile würden die Unternehmer jedoch durch Verunsicherung der Beschäftigten aufs Spiel setzen. „Leistungsmotivation der Beschäftigten, ihre Bereitschaft zur Investition in die eigene Zukunft oder zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit sind Grundlage dieser Standortvorteile, die durch Verunsicherung verloren zu gehen drohen“, sagte Mehrens.
Der IG Metall-Automobilexperte Siegfried Roth hob in diesem Zusammenhang die ungebrochene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie hervor. „Ein Industriezweig, der ständig steigende Exportüberschüsse erzielt“, wandte auch er sich gegen das Gerede von Standortnachteilen, „kann wohl kaum als international wettbewerbsschwach bezeichnet werden“. Er mahnte allerdings an, „vorhandene Potenziale und Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich innovativer Organisationskonzepte und der Mobilisierung von Know-how auch tatsächlich zu nutzen“. Die Zukunftschancen der deutschen Automobilindustrie lägen in der Fähigkeit, einen Vorsprung im Innovationswettbewerb zu erzielen. Sie lägen nicht primär im Kostenwettbewerb.
Die ungebrochene Konkurrenzfähigkeit der deutschen Autoindustrie manifestiere sich auch darin, dass 2003 mit über 770.000 Beschäftigten der höchste Stand seit 1991 erreicht worden sei. Der Zuwachs in der Zuliefererindustrie sei dabei größer als bei den Herstellern. Dies sei, so IG Metall-Wirtschaftsexperte Nikolaus Schmidt, vor allem dem Export zu verdanken. Die Inlandsnachfrage sei zum einen aufgrund der Verunsicherung zurückgegangen, die sich hier nochmals als kontraproduktiv erweise. Für den Rückgang sei aber auch das Auseinanderdriften von Preisen und Einkommen verantwortlich. Während der PKW-Durchschnittspreis in den letzten zehn Jahren um 36,7 Prozent gestiegen sei, hätten sich die Einkommen der Arbeitnehmer in diesem Zeitraum nur um knapp zehn Prozent erhöht.
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