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Verwaltungsstelle Bremerhaven

letzte Änderung am Montag, den 11. Mai 2009



Die persönliche Entwicklungsgeschichte


Hier kannst du darstellen, welche Faktoren, Denkanstöße und Umweltbedingungen zur Kriegsdienstverweigerung geführt oder beigetragen haben. Am besten fragst du dich selbst zurückblickend nach den Gründen und Ursachen. Gerade dabei kommen die sogenannten "persönlichen Beweggründe", die geschildert werden sollen, zur Geltung.

Ausschlaggebend sind nicht nur die Erfahrungen, die direkt das Thema Kriegsdienstverweigerung betreffen. Maßgebend sind auch Erziehungseinflüsse, Kontakte zu bestimmen Gruppen oder Personen, die dich geprägt haben.

Dennoch mußt du streng im Auge behalten, dass es hier um Schilderungen geht, die den Hintergrund deiner Gewissenstentscheidung gegen den Kriegsdienst ausmachen.

Ein Beispiel: "Ich bin in meinem Elternhaus zusammen mit vier Geschwistern aufgewachsen. Wir wurden christlich erzogen. Die christliche Erziehung war für meine Kriegsdienstverweigerung von besonderer Bedeutung."

Das allein genügt nicht! Eine solche Erklärung ist weder ausführlich noch ist die Verknüpfung von christlicher Erziehung und Kriegsdienstverweigerung selbstverständlich oder gar zwangsläufig. Wenn du eine christliche oder gar pazifistische Erziehung für maßgeblich hälst, dann mußt du auch ganz konkret die Besonderheiten, Gedanken und Inhalte dieser Erziehung schildern und dann zusätzlich auf deine eigenen Erfahrungen und Schlußfolgerungen eingehen. Häufig wird der eine oder andere Gespräche mit bestimmten Personen (z.B. LehrerInnen, GewerkschaftskollegInnen, Familienangehörigen usw.) erwähnen. Wenn du der Meinung bist, dass bestimmte Kontakte und Gespräche wesentlich für deine Kriegsdienstverweigerung waren, dann solltest du auch kurz darstellen, um welche Themen sich diese Gespräche drehten und welche Eindrücke sie bei dir persönlich hinterlassen haben. Hinzukommen sollte auch eine Schilderung, welche Meinung du dir selber daraus gebildet hast. Denn es geht ja um deine Einstellung zur Kriegsdienstverweigerung, und nicht um die der anderen Personen! Das gleiche gilt, wenn du auf Literatur, Filme, Veranstaltunen oder Demonstrationen hinweist, die dir Denkanstöße gegeben haben. Du solltest nicht nur den Titel nennen, besser ist es, die für dich wesentlichen Kernaussagen und deine eigenen Schlußfolgerungen kurz zusammenzufassen.

In den seltensten Fällen wird es so sein, dass ein Kriegsdienstverweigerer ein bestimmtes "Schlüsselerlebnis" hatte und plötzlich wußte: "Ich muß den Kriegsdienst verweigern!"

Das ist auch nicht erforderlich. Selbstverständlich soll derjenige, der entsprechende Erlebnisse hatte, darüber ausführlich schreiben. Hüte dich jedoch vor Belanglosigkeiten und bausche nicht künstlich irgendwelche kleine Erlebnisse auf. So ist beispielsweise die schon mehr als zehn Jahre zurückliegende Schlägerei auf dem Schulhof eher bedeutungslos. Meistens gibt es verschiedene Phasen in der Entwicklung wird zum Schluß immer konkreter, bis schließlich der Entschluß feststeht. Du solltest diese Phasen darstellen und auch altersmäßig einordnen. Die Entwicklung zur Kriegsdienstverweigerung muß keineswegs widerspruchlos und praktisch schon in der Wiege angelegt sein. Es kann durchaus sein,dass die eigentlichen Denkanstöße recht spät kamen und du vorher sogar dem Militär unkritisch oder auch positiv gegenüberstandest. Es kann auch sein, dass du dich schon mal bei der Bundeswehr über den Wehrdienst hast beraten lassen. Wichtig ist dann, das "Umdenken" überzeugend darzulegen. Von besonderer Bedeutung ist der Zeitpunkt, am dem du den Entschluß zur Kriegsdienstverweigerung getroffen hast, zusammenfallen. Wenn du den Antrag beispielsweise erst im Alter von 22 Jahren oder später stellst, ist es möglicherweise nicht ratsam vorzutragen, du hättest den unumstößlichen Entschluß zur Kriegsdienstverweigerung schon mit 17 Jahren getroffen. Daraus könnte der Schluß gezogen werden: "Wenn es dem Antragsteller wirklich so ernst und wichtig ist, hätte er den Antrag viel früher gestellt." Oder umgekehrt: "Es bestehen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Altersangabe, weil der Antrag erst Jahre später gestellt wurde." Solche scheinbaren Unstimmigkeiten solltest du dann darstellen und begründen. Andernfalls kann dies zu Nachfragen oder zur Ablehnung des Antrags führen.

Selbstverständlich ist, dass du bestimmte negative Tatsachen, die den entscheidenden Behörden bekannt sind, nicht stillschweigend übergehst, sondern offensiv anpackst. Hast du dich beispielsweise im Alter von 18 Jahren bei der Bundeswehr für eine mehrjährige Dienstzeit interessiert oder gar freiwillig beworben, so ist es schädlich, diesen Umstand nicht zu erwähnen. Du mußt ihn dann in deine Entwicklungsgeschichte einordnen und erläutern. Mancher KDVer fragt sich, ob er eventuell auf Vorstrafen eingehen soll. (Verkehrsunfall = fahrlässige Körperverletzung; Hausbesetzung und gewaltfreier Widerstand = Hausfriedensbruch und Nötigung). Schließlich wird das polizeiliche Führungszeugnis überreicht. Ein Eingehen auf diese "Vorgeschichte" empfiehlt sich nur dann, wenn eine Vorstrafe auch in das Führungszeugnis eingetragen ist. Man muß keine "schlafenden Hunde" wecken. Es werden nach dem Bundeszentralregistergesetz (§ 30) nicht in das Führungszeugnis eingetragen: Zuchtmittel und Erziehungsmaßregeln nach dem Jugendstrafrecht, Jugendstrafe unter zwei Jahren auf Bewährung, Geldstrafen unter 90 Tagessätzen oder Freiheitsstrafen oder Strafarrest unter drei Monaten, falls keine weitere Strafe im Zeugnis eingetragen ist. Im übrigen gibt es Löschungsfristen im Registergesetz, nach denen die Strafen getilgt werden.



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