Ob wir rote, gelbe Kragen,
Helme oder Hüte tragen,
Stiefel tragen oder Schuh‘,
oder ob wir Röcke nähen
und zu Schuhen Drähte drehen,
das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir können präsidieren,
oder müssen Akten schmieren
ohne Rast und ohne Ruh;
ob wir just Collegia lesen,
oder aber binden Besen,
das tut, das tut nichts dazu.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
oder ob zu Fuß wir schreiten,
immer unser’m Ziele zu;
ob uns Kreuze vorne schmücken
oder Kreuze hinten drücken,
das tut, das tut nichts dazu.
Aber ob wir Neues bauen,
oder Altes nur verdauen,
wie das Gras verdaut die Kuh;
ob wir in der Welt was schaffen,
oder nur die Welt begaffen,
das tut, das tut was dazu.
Ob wir rüstig und geschäftig,
wo es gilt zu wirken kräftig,
immer tapfer greifen zu;
oder ob wir schläfrig denken:
"Gott wird’s schon im Schlafe schenken",
das tut, das tut was dazu.
Drum, ihr Bürger, drum, ihr Brüder,
alle eines Bundes Glieder:
Was auch jeder von uns tu!
Alle, die dies Lied gesungen,
so die Alten, wie die Jungen,
tun wir, tun wir was dazu!
Die Ansicht, daß das sog. "Bürgerlied" in der Arbeiterbewegung nach 1848 nicht mehr gesungen wurde, ist irrig. Dieser zündende Aufruf zur Einigkeit der Gleichgesinnten, mit Recht als "eines der kostbarsten Volkslieder demokratischen Charakters" gerühmt, erschien unter dem Titel "Gleichheit" in den Arbeiterliederbüchern des 19. Jhdt. und wurde nach der Melodie von "Prinz Eugen, der edle Ritter" gesungen. Als Verfasser wird - ohne den Vornamen - Uhlich oder Uhlig angegeben. Im Widerspruch dazu steht eine Notiz von Hoffmann von Fallersleben, in der es heißt, daß das Lied von Adalbert Harnisch im Mai 1845 für den Elbinger Bürgerverein geschrieben wurde.
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