Text: Esser/Langhoff
Musik: Rudi Goguel/Hanns Eisler
Wohin auch das Auge blicket,
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.
Hier in dieser öden Heide
Ist das Lager aufgebaut,
Wo wir fern von jeder Freude
Hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.
Morgens ziehen die Kolonnen
In das Moor zur Arbeit hin.
Graben bei dem Brand der Sonne,
Doch zur Heimat steht der Sinn.
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.
Heimwärts, heimwärts jeder sehnet,
Zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet,
Weil wir hier gefangen sind.
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.
Auf und nieder gehn die Posten,
Keiner, keiner, kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten,
Vierfach ist umzäunt die Burg.
Wir sind die Moorsoldaten,
Und ziehen mit dem Spaten,
Ins Moor.
Doch für uns gibt es kein Klagen,
Ewig kann's nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen:
Heimat, du bist wieder mein.
Dann ziehn die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten in´s Moor!
Dann ziehn die Moorsoldaten
nicht mehr mit dem Spaten in´s Moor
Das Lied entstand 1933 im "Staatlichen preußischen Konzentrationslager Börgermoor" bei Papenburg im Emsland. Den Text hat der Düsseldorfer Schauspieler Wolfgang Langhoff nach einem Entwurf des Bergmanns Johann Esser aus Moers verfasst. Daraufhin besorgte die von Häftlingen organisierte illegale Lagerleitung Rudi Goguel, Funktionär der Angestelltengewerkschaft in Düsseldorf, einen Platz im Krankenrevier, um zu dem Text eine passende Melodie zu schreiben. Über den Entstehungsgeschichte ist eine Version bekannt, nach der das Lied für eine Zirkusvorstellung der Häftlinge ("Zirkus Konzentrazani") geschrieben wurde. Um die Aufführung sei unter den Häftlingen gerungen worden. Letztlich habe man sich aber für die Aufführung unter den Augen der SA entschieden, um dieser zu demonstrieren, dass die Häftlinge ungebrochen seien. Zum Schluß der Vorstellung sei "Die Moorsoldaten" erstmals gesungen worden. Zwei Tage darauf wurde das Lied durch die Lagerleitung verboten. Entlassene Häftlinge schmuggelten später das Lied aus dem Lager. Der Mühlheimer Otto Gaudig, der als Schuster im KZ Börgermoor arbeitete, hatte das Liedblatt zwischen Sohle und Brandsohle eingenäht, um es sicher aus dem Lager bringen zu können. Bekannt wurde das Lied in der späteren Fassung von Hanns Eisler, der es 1935 für den Sänger Ernst Busch bearbeitete. Busch sang es im spanischen Bürgerkrieg bei den Internationalen Brigaden, in deren Liederbücher es aufgenommen wurde.
Die Konzentrationslager der Nazis hatten in dieser frühen Phase des Terrors vor allem die Aufgabe, politische Gegner der Nationalsozialisten - vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten - aufzunehmen. Noch war nicht die physische Vernichtung der Gefangenen das Ziel der Nazis, sondern das Brechen des Widerstandswillen gegen das System. Gleichwohl überlebten viele Gefangene den Lagerterror nicht oder starben nach ihrer Entlassung an dessen Folgen. Für die Mehrheit der Gefangenen bestand dennoch die Hoffnung auf Entlassung, die sich in der letzten Strophe des Liedes wiederspiegelt.
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