1827 Am 1. Juli beginnt der Bau des Alten Hafens. Er sollte zunächst 750 m lang und 57,5 m breit werden und eine Wassertiefe von gut 5 m erhalten (Sie wurde später auf etwas über 7 m gebracht). Die Arbeitsbedingungen waren hart. Maschinen für die Erdbewegungen gab es nicht. Die Erde musste auf Pferdegespanne geschaufelt und zur Weser zwecks Anlage eines neuen Deiches transportiert werden. Aufgrund der harten Arbeitsbedingungen und ungehaltener Lohnversprechen kommt es bereits am ersten Tag zu Auseinandersetzungen und mitte Juli zum ersten Streik. Da dieser nicht den gewünschten Erfolg brachte, streikten die Arbeiter bereits einen Monat später erneut.
1848 Die Schiffszimmerer richten am 18. Dezember eine Resolution an den Senat, in der sie ihre Situation auf den Werften darstellen. Der Bremer Senat lehnt die Forderungen der Arbeiter am 09. Februar 1849 ab.
1857 Auf den drei Geestemünder Werften, Rickmers, Tecklenborg und Schau & Oltmanns und bei den Zimmermeistern Precht und Scheller treten Schiffszimmerer, Arbeiter und Gesellen zum ersten mal an der Unterweser in einen größeren Streik.
1860 Ein Arbeiterbildungsverein nimmt seine Tätigkeit in Lehe auf.
1864 Ab dem 23. Juli setzen die Schiffszimmerleute in einem 5tägigen Streik auf allen Werften in Bremerhaven und Geestemünde einen höheren Tariflohn durch. Streiks an der Unterweser werden durch die unterschiedlichen rechtlichen Verhältnisse begünstigt. Im Königreich Hannover (also in Geestemünde) sind Streiks gesetzlich verboten, im bremischen Bremerhaven dagegen nicht.
1866 In Geestendorf, dem Wohnort vieler Hafen- und Werftarbeiter, gründete der Werftschlosser August Pagel eine Ortsgruppe von Ferdinand Lassalle´s "Allgemeinem Deutschen Arbeiter-Verein" (ADAV).
1867 Unter der Führung des ADAV streiken die Arbeiter des Schiffbaumeisters Lange und fordern die Wiedereinstellung entlassener Kameraden und die Verkürzung der Arbeitszeit um 1 Stunde. Die Reaktionen sind unerbittlich: Die Arbeiter werden ausgesperrt und durch Streikbrecher ersetzt. Hierauf herrschte recht bald bitterste Not in den Arbeiterfamilien. Im Juni 1867 endete der Streik ohne den geringsten Erfolg für die Arbeiterschaft.
1868 Auch die Bauarbeiter versuchten inzwischen durch Arbeitskämpfe eine Aufbesserung ihrer Löhne zu erreichen. Nach einem viertägigen Streik in Geestemünde im Juli 1868 erhielten sie Erhöhungen von ca. einem Drittel ihres Lohnes.
1869 Am 4. Mai beginnt unter energischem Widerstand der Maurermeister ein allgemeiner Maurerstreik in den Unterweserstädten der eine Reihe von großen Bauten stillegt.
1870 Allmählich beginnt sich eine organisierte Arbeiterbewegung zu bilden.
1872 Die Mitgliederversammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins an der Unterweser beschließt am 30. November, der "Sozialdemokratischen Arbeiterpartei" (SDAP) Bebels und Liebknechts beizutreten. Die SDAP der Unterweserorte und die immer stärker werdenden Gewerkschaften hatten zunächst ihre Schwerpunkte in den preußischen Gemeinden Geestendorf, Geestemünde und Lehe.
Mit Streiks erkämpften sich insbesondere die Werftarbeiter bessere Löhne und kürzere Arbeitszeiten.
1873 Die Hafenarbeiter in Bremerhaven bilden eine gewerkschaftsähnliche Lokalorganisation.
Von 5341 angemusterten Seeleuten auf bremischen Schiffen "desertieren" 966 - vor allem während des Aufenthaltes in den USA - wegen der harten, fast unmenschlichen Arbeitsbedingungen als Heizer und Kohlentrimmer und wegen ihrer trostlosen sozialen Verhältnisse.
1874 Der Allgemeine Arbeitgeberverband für Werften, Reeder und Stauereibetriebe wird in Bremerhaven gegründet.
52 Maurer streiken am Kaiserhafenbau gegen die Absprache der Unternehmer, Maurer nicht einzustellen, die andernorts ohne gesetzliche Kündigung aufgehört haten.
1875 An der Unterweser findet am 6. Juni die erste Versammlung von Anhängern der "Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands" (SAP) statt. Zu dieser Partei hatten sich im Mai in Gotha verschiedene Gruppen der Arbeiterbewegung zusammengeschlossen.
Auf der Tecklenborg-Werft kommt es wegen Auseinandersetzungen um Lohnabzüge und Arbeitszeitregelungen wiederum zu einem Streik der Werftarbeiter, bei dem sich nun zum ersten mal überregionale Arbeiterorganisationen und Arbeitgeberverbände gegenüberstehen.
1876 Am 1. Januar erfolgt die Aussperrung aller organisierten Schiffszimmerer an Elbe und Unterweser. 1350 Mitglieder sind davon betroffen und bleiben teilweise bis zu 2 Jahren ausgesperrt.
1877 Die Strukturveränderungen im Schiffbau, in der die Holzverarbeitung immer mehr dem Eisen weichen muss, führen zu sozialen Konflikten mit den traditionsbewussten Schiffszimmerleuten, die sich zu Metallarbeitern umschulen lassen mussten.
Ab dem 1. November führen die Schiffszimmerleute auf den Werften in Bremerhaven und Geestemünde wegen Lohnabzugs einen großen Streik bis zum 26.3.1878.
1884 Rudolf Mädger gründet in Bremerhaven einen Ortsverein der Gewerkschaft der Hauszimmerer.
1885 Die "Vereinigung der Metallarbeiter Deutschlands" gründet im März einen Zweigverein Bremerhaven, der im August aufgrund des Sozialistengesetzes wieder verboten wird.
1890 Bismarcks sogenanntes "Sozialistengesetz" (Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie / 1878-1890) gab den preußischen Behörden eine Handhabe, die Arbeiterbewegung zu unterbinden. Die Arbeiterorganisationen wichen nun nach Bremerhaven aus, wo ihnen das liberalere Bremer Recht eine weitere Entfaltung gestattete.
1890 bildete sich hier der "Sozialdemokratische Verein für Bremerhaven und Umgegend", die Vorläuferpartei der späteren SPD.
1891 Ein Jahr nach Aufhebung des Sozialistengesetzes gründet der "Deutsche Metallarbeiterverband" eine Ortsverwaltung Bremerhaven.
Am Sonntag, den 3. Mai findet in Bremerhaven die erste Maikundgebung statt. Weltweit demonstrierten die Arbeiter bereits zwei Tage vorher, am 1. Mai. Die Bremerhavener demonstrierten am arbeitsfreien Sonntag, um somit die von den Arbeitgebern angekündigten Entlassungen zu umgehen. Im preußischen Lehe und Geestemünde wurden die Maidemonstrationen verboten.
1896 Der von den Gewerkschaften und den Sozialdemokraten beantragte Maiumzug in Bremerhaven wird auch von den bremischen Behörden verboten. Stattdessen werden am 1. Mai "Spaziergänge" nach Wulsdorf oder Speckenbüttel organisiert.
1897 Streik der Hafenarbeiter in Bremerhaven.
1899 Am 23. April beginnt ein neunwöchiger Bauarbeiterstreik in Bremerhaven.
1900 Am 6. Januar führen 18 Former und Gießer einen Abwehrstreik bei G. Seebeck in Geestemünde durch, und zwar gegen die Reduzierung des Lohnes durch neuen Akkord von 3,70 auf 2,30 Mark pro Tag.
Vom 14. Dezember bis zum 11. Februar 1901 erfolgt bei G. Seebeck ein Streik der Metallarbeiter und Holzarbeiter gegen die Verkürzung der Mittagspause und gegen die Einführung der Akkordarbeit. Seebeck reagiert mit Aussperrung. Die alten Bedingungen müssen akzeptiert werden.
1901 Der Transportarbeiterverband gründet in Bremerhaven eine Ortsgruppe.
In Bremerhaven wird ein Gewerkschaftskartell als Zentralorgan der angeschlossenen Einzelgewerkschaften an der Unterweser gegründet.
1902 Am 24. September erfolgt die Gründung eines "Konsumvereins für Bremerhaven und Umgebung eGmbH" durch das Gewerkschaftskartell.
1903 Im Mai beschlossen 109 von 113 Zimmerern bei Tecklenborg mit Zustimmung ihres Verbandes aufgrund der jahrelangen Mißstimmung und der ihnen diktierten schlechten Bedingungen keine Holzarbeiten mehr im Akkord zu machen. Eine Zeitungsnotiz in der "Norddeutschen Volksstimme", die zum Fernhalten des Zuzuges weiterer Zimmerleute aufrief, wurde von der Werftleitung als Eingriff in die laufende Verhandlung mit dem Arbeiterausschuß empfunden. Als die Aufforderung nach Zurückziehung der Notiz abgelehnt wurde, sperrte die Werft 1600 Mann, also fast die gesamte Belegschaft, die zu dieser Zeit 1800 Mann stark war, für eine Woche aus.
1904 Am 5. April kam es zu einer Aussperrung von 900 Bauarbeitern in Bremerhaven, weil sie nicht bereit waren, die von den Unternehmern eingerichteten Arbeitsnachweisbüros anzuerkennen und auf eine gewerkschaftliche Mitgliedschaft zu verzichten. Nachdem die Bauarbeiter nicht nachgeben wollten, brach eine heftige Not in den Familien aus. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den ausgesperrten Arbeitern und Streikbrechern, die von den Arbeitgebern mit Transporten herangekarrt wurden. 12 Arbeiter wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Aussperrung der Bauarbeiter ging erst im Oktober zu Ende.Der Arbeitsnachweis der Bauunternehmer blieb bestehen, aber kein Bauarbeiter trat aus der Gewerkschaft aus.
Im Juni traten die Kesselschmiede bei Tecklenborg wegen Lohnforderungen und ungeregelter Akkordbedingungen in den Streik. Es handelte sich um etwa 150 Mann. Daraufhin kündigten Tecklenborg und Seebeck ihren gesamten Belegschaften, ohne sich vorher auf Verhandlungen mit den Streikenden einzulassen. Wenige Tage später standen 3.500 Werftarbeiter, die zu mehr als 90 % mit dem Konflikt nichts zu tun hatten, ausgesperrt auf der Straße. Lediglich die Meister und die Lehrlinge, insgesamt etwa 350 Mann, arbeiteten weiter. Erst nach sieben Wochen konnte die Auseinandersetzung mit geringen Zugeständnissen seitens der Werftleitungen beendet werden.
1905 Dem "Gewerkschaftskartell für Bremerhaven und Umgebung" gehören 30 gewerkschaftliche Organisationen mit 5913 Mitgliedern an.
1906 In Geestemünde führt die Arbeiterbewegung im Rahmen der Wahlrechtskämpfe den ersten öffentlichen Demonstrationszug durch.
Nachdem im April Matrosen und Netzmacher, nach vielen erfolglosen Verhandlungen in den vorhergehenden Jahren, bereits wegen Verweigerung der Löscharbeiten auf dem Fischdampfer "Emden" Haftstrafen in Kauf nehmen mußten, kam es im Herbst des Jahres zum Streik in der Hochseefischerei. Neben Lohnerhöhungen forderten die Besatzungen Befreiung vom Löschen und Wegfall der bisherigen Prozentregelung.
Der Streik dauerte nur wenige Tage und verlief erfolgreich, obwohl nur ein Drittel der Besatzungen organisiert war. Die Löscharbeiten übernahm nach einer Übergangsregelung von 1908 an die Fischerei-Betriebsgenossenschaft mit eigenen Löschgängen. Den Besatzungen blieb die kurze Liegezeit im Hafen nun zur eigenen familiären Verfügung. Eine Aufbesserung der Heuern wurde ebenfalls erreicht.
1910 Im September streiken 1500 Werftarbeiter in Bremerhaven und Geestemünde. Sie gehören damit zu 36.000 streikenden Werftarbeitern in ganz Norddeutschland, die für eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 53 Stunden und eine Lohnerhöhung um 10% kämpfen. Der am 8. Oktober beschlossene Kompromiss sah die Verkürzung der Arbeitszeit für die Hamburger Werften auf 55 und für die Arbeiter der anderen Werften auf 56 Stunden vor. Außerdem wurde eine Lohnerhöhung von 2 Pfennig auf die Mindest-Einstelllöhne für alle Gewerbe und die Einsetzung von Arbeiterausschüssen auf allen Werften vereinbart.
1911 Das Gewerkschaftskartell und der "Konsum- und Sparverein Unterweser" errichten gemeinsam eine Baugenossenschaft, zwecks Errichtung eines eigenen Gewerkschaftshauses mit Büro- und Versammlungsräumen.
Im Dezember organisierten die Schlosser und Dockarbeiter einen Streik in Seebecks Dock. Es ging um drei Pfennige Zulage, Frühstück und Waschraum sowie die Wiedereinstellung von sechs Entlassenen. Erreicht wurden die Einrichtung eines Waschraums und die Wiedereinstellung der Entlassenen.
1912 Nachdem in den vergangenen Jahren die Mai-Feiern der Gewerkschaften meist verboten waren, genehmigt die Polizei zum ersten mal einen Mai-Umzug in allen drei Unterweserorten (Bremerhaven, Lehe und Geestemünde).
Wegen Fernbleibens von der Arbeit sperren die Arbeitgeber mehr als 5000 Arbeiter der Werften und des Baugewerbes für vier Tage aus.
In der Deichstraße 55 wird das Gewerkschaftshaus "Eintracht" eröffnet, welches sich in den folgenden Jahren und vor allem nach dem Ersten Weltkriege zum Zentrum des gewerkschaftlichen, sportlichen und kulturellen Lebens der Arbeiterschaft in den Unterweserorten entwickelte.
1914 20. Mai: Auf einer Versammlung des sozialdemokratischen Ortsvereins Lehe, dem 2755 Mitglieder angehören, berichtet der Bürgermeister Otto Oellrich von arbeiterfeindlichen Polizei- und Justizpraktiken, Behelligung von harmlosen Ausflügen, Verbot der Mai-Umzüge, Beanstandungen und Anzeigen wegen Kranzschleifen bei Beerdigungen, Beschlagnahmungen von Plakaten und dem undemokratischen Wahlgesetz.
1917 Auch an der Unterweser bildet sich ein Ortsverein der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD), die die parlamentarische Demokratie ablehnt und für die Räteverfassung eintritt.
Die Arbeiter der Tecklenborg-Werft legen am 3. April die Arbeit nieder und demonstrieren für eine Verbesserung der Lebensmittelversorgung.
Diese war im ganzen Reich zusammengebrochen und es kam dadurch zu einer schlimmen Hungersnot, die als "Steckrüberwinter" (1916/17) in bedrückender Erinnerung bleibt.
1918 Am 6. November kommt es zur Gehorsamsverweigerung der Marinemannschaften und dem Zusammenschluss der Arbeiter und der Soldaten zu einem Demonstrationsmarsch durch die "Bürger" zum Marktplatz (heute Theodor-Heuss-Platz), wo Frieden und Demokratie gefordert werden.
An der Unterweser bildet sich am 7. November ein Arbeiter- und Soldatenrat. Vorsitzender ist der Bremerhavener Gewerkschaftssekretär August Stampe (1878 - 1965).
Die Umwälzung verläuft an der Unterweser ohne jedes Blutvergießen. Am 10. November bewegt sich ein mächtiger Zug von Arbeitern, Matrosen und Soldaten des Heeres mit Musik und Fahnen durch die Hauptstraßen der Unterweserstädte. Die staatliche Macht liegt nun in den Händen der Arbeiter und Soldaten.
Der Arbeiter- und Soldatenrat gibt am 16. November eine Denkschrift über die Zusammenlegung der Unterweserstädte heraus.
Nach einem Beschluss des Stadtrats (Magistrats) am 18. November wird zum 1.12.1918 in städtischen Ämtern der 8-Stunden-Arbeitstag eingeführt.
1919 An einer Protestdemonstration gegen "kommunistische, spartakistische und anarchistische Experimentierpolitik", zu der der Arbeiterrat, das Gewerkschaftskartell und die Mehrheitssozialdemokraten aufgerufen hatten, nehmen am 13. Januar nahezu 20.000 Menschen teil. Die Hauptrede hält der Gewerkschaftssekretär August Stampe.
1920 Am 25. Februar bildet sich der Handwerkerbund Wesermünde e.V., dem Handwerker verschiedener Innungen aus dem bremischen Bremerhaven, den preußischen Städten Geestemünde und Lehe und aus den Landkreisen Geestemünde und Lehe angehören. Dieser Handwerkerbund ist ein Vorläufer der 1936 geschaffenen Kreishandwerkerschaft.
Der Handwerkerbund erwirbt 1921 das repräsentative Gebäude Kaiserstraße 1 (jetzt: Bürgermeister-Smidt-Straße) und nutzt es (bis 1971) als "Haus des Handwerks".
1921 Am 4. Dezember wurden die Wahlen zu den neugebildeten Bremer Arbeiter- und Angestelltenkammern durchgeführt.
1923 Seit März zogen die Fischdampferreeder nach und nach die Hälfte der Flotte aus der Fahrt und entließen die Besatzungen. Mit dieser Maßnahme hoffte man sich entsprechend gefügige- weil arbeitslose- Mannschaften für die Annahme neuer- schlechterer- Verträge geschaffen zu haben. Anschließend kündigte der "Wirtschaftliche Verband der deutschen Hochseefischer" den Tarif zum 1. Mai. Der vorgelegte neue Entwurf sollte wesentliche Verschlechterungen bringen. Nach ergebnislosen Verhandlungen kam es zu einem Schiedsspruch, den die Mannschaften ablehnten, weil er ihnen immer noch Einkommensverluste von 20-30% brachte.
Am 23. Mai kam es nach der Ablehnung des Schiedsspruches durch die Seeleuteorganisation zum Streik und vom 26. Mai an lief von Bremerhaven und Geestemünde kein Fischdampfer mehr aus.
Die Streikfront war schon deshalb geschlossen, weil auch die Fischdampfer-Kaptäne die ihnen zugedachte Prozentminderung von 6 auf 4% nicht widerspruchslos hinnehmen wollten.
Ein neuer, am 25. Juli ergangener Schiedsspruch ergab dann einen nahezu vollen Erfolg der Besatzungen.
1924 Am 27. Februar werden an der deutschen Nord- und Ostseeküste über 40.000 Werftarbeiter von den Unternehmern ausgesperrt, da sich die Arbeiter weigerten, 54 statt 48 Stunden zu arbeiten. Nach 13 Wochen muss die Gewerkschaft den Arbeitskampf aufgeben und die 54-Stunden-Woche akzeptieren.
1928 Im Frühjahr 1928 stellten die Verbände der Werftarbeiter die Forderung auf eine Lohnerhöhung von 10 Pf. Nach ergebnislosen Verhandlungen griff der Schlichter ein und fällte gegen die Stimmen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer einen Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Löhne um 5Pf vorsah.
Vor dem Eintritt in neue Lohnverhandlungen führten die Auseinandersetzungen zwischen dem Holzarbeiter- und dem Metallarbeiter-Verband zu einem Zerwürfniss und dem scheitern der Verhandlungen. Erneut fällte ein Schlichter einen Schiedsspruch, der den Arbeitern 1 Stunde Arbeitszeitverkürzung und 4 Pf Lohnerhöhung für die nächsten 13 Monate brachte.
Die Werftarbeiter waren nicht bereit, dieses Ergebnis hinzunehmen, und so kam es am 1. Oktober zum Streik auf allen Werften an Ost- und Nordsee, an dem sich 42.000 Werftarbeiter beteiligten, von denen 26.599 organisiert waren. Ab 2. Oktober ruhte auf allen Werften die Arbeit.
Die gewerkschaftliche Zersplitterung kam während dieses Streiks besonders deutlich zum Ausdruck.
Der Streik wurde erst nach 14 Wochen durch eine Schlichtung des Reichsarbeitsministers beendet. Die längst überfällige Arbeitszeitverkürzung auf 48 Stunden konnte immer noch nicht erreicht werden.
Am 1. August genehmigte die Bezirksregierung die Stillegung der durch künstliche Maßnahmen herbeigeführten Unrentabilität der Tecklenborg Werft sowie den Abbruch der Anlagen. Docks, Kräne, Einrichtungen und Maschinen gingen zum Teil an die Seebeckwerft. Ca. 400 Mann wurden von der AG Weser übernommen. Maschinen und Geräte wurden zum Teil zur Erweiterung und Modernisierung der Seebeck Werft verwendet. Das König-Georg-Dock gliederte man ebenfalls in die Seebeck Werft ein.
Der Verlust der bisher führenden Bremerhavener Werft wurde für die Arbeiterschaft als besonders schwerwiegend angesehen
1931 Die durch dramatisch gestiegene Arbeitslosigkeit entstandene Unzufriedenheit löst am 18. Juni in radikalen Teilen der Bevölkerung schwere Krawalle aus.
Der Bremerhavener Magistrat verbietet am 22. Juni Umzüge und alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel.
Am 08. November findet die Wahl zur Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung statt: SDP 11 Sitze, NSDAP 9 Sitze, KPD 5 Sitze, Deutschnationale 4 Sitze, Bürgerlich 3 Sitze, Mittelstand 2 Sitze, Demokraten und Zentrum je 1 Sitz.
1932 Am 30. September streiken die Maschinisten, Heizer und Matrosen in allen Reedereien. Es geht um die Abwehr von Lohnkürzungen und die Streichung von freien Tagen. Die Ausstände versickern im Laufe des Novembers. Die Ergebnisse sind unterschiedlich.
Gleichzeitig kommt es bis zum 4. November zu einem großen Streik der Fischdampferbesatzungen und der Fischarbeiter und Fischarbeiterinnen.
1933 Am 30. Januar übernehmen die Nazis in Berlin die Macht. In Bremerhaven versammelten sich im Gewerkschaftshaus "Eintracht" dreihundert Männer der Schufo (Die Schufo war die Schutzformation des "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", eine Verteidigungstruppe der SPD und der Gewerkschaften). Die Männer hatten sich mit Spaten ausgerüstet, weil sie in dieser Nacht einen Machtrausch der SA und die Besetzung des Gewerkschaftshauses erwarteten, welche jedoch in dieser Nacht noch ausblieb.
Am 06. Februar wird der preußische Landtag aufgelöst und gleichzeitig auch das Wesermünder Bürgervorsteherkollegium in dem die SPD mit 25 Abgeordneten die absolute Mehrheit besaß.
Die NSDAP stellt am 21. Februar im Stadtparlament Bremerhavens den Antrag, das Parlament aufzulösen. SPD und KPD stimmen dagegen und verhindern die Auflösung.
Am 27. Februar brennt der Reichstag in Berlin. Daraufhin beginnen in der Nacht die ersten Verfolgungsmaßnahmen gegen KPD, SPD und die Gewerkschaften. In den Unterweserorten wird das Parteigebäude der SPD durchsucht und verschiedenes Material beschlagnahmt.
Mit der "Reichstagsbrandverordnung" werden die Grundrechte aufgehoben und die Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt. Einführung der Schutzhaft und der Todesstrafe. In den Unterweserorten finden Hausdurchsuchungen statt. In den folgenden Tagen werden die Stadtverordneten der KPD verhaftet, und die Parteibüros geschlossen. Eine Wahlveranstaltung der SPD wird aufgelöst, die SPD-Zeitung "Norddeutsche-Volksstimme" für 3 Tage verboten.
Am 3. März findet trotz der einsetzenden Unterdrückung der Nationalsozialisten zwei Tage vor der Reichstagswahl vom Bremerhavener Marktplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) aus der letzte große Demonstrationszug in den Unterweserorten gegen den Nationalsozialismus statt, an dem 9.000 Menschen teilnehmen. Dazu hatte die antifaschistische "Eiserne Front" (Gewerkschaften, SPD, Reichsbanner, Arbeitersport) aufgerufen. Mit Trommeln, Pfeifen und Schalmeikapellen wird gegen die ersten Gewalttaten der Nazis in den Unterweserorten demonstriert. Auf dem Neumarkt in Lehe hält der sozialdemokratische Bürgervorsteher und Reichsbannerführer Heinrich Kammerahl seine letzte Rede gegen den Faschismus. "Mit dem Stimmzettel werden wir sie besiegen", soll er ausgerufen haben. Das war ein Irrtum, wenn auch die SPD bei der Wahl am 5. März in Bremerhaven und Wesermünde zusammen tatsächlich mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte als die NSDAP.
Die SA ließ auf der Hafenstraße eine Gegendemonstration mit 109 Menschen aufmarschieren. Es kam zu Auseinandersetzungen, die Polizei griff ein. Nur Sozialdemokraten, Heinz Wenke, Fidel Spohler, Bernd Britzwein, Wilma Wagner, wurden später deswegen bestraft.
Reichstagswahl am 05. März. Die NSDAP (44%) verfehlt die absolute Mehrheit und lässt die 81 Mandate der KPD annulieren. In der Stadt Wesermünde bleibt die SPD die stärkste Partei (36,7%). Die NSDAP erhält 35%, die KPD 11,9% und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 11,5%. In Bremerhaven erhält die NSDAP 34,2%, die SPD 28,7%, die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 16,7% und die KPD 13,8%.
Am 12. März findet die Wahl zur Wesermünder Bürgervorstehervesammlung statt: SPD 18 Sitze, NSDAP 16 Sitze, Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 5 Sitze, KPD 4 Sitze, Bürgertum 2 Sitze, Zentrum 1. Die Sitze der KPD werden von der regierenden NSDAP sofort annuliert. Die Bürgervorsteher werden am 29. März rechtswidrig entlassen.
Die 1931 gewählte Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung löst sich am 17./18. März auf Antrag der NSDAP auf, nur die KPD stimmt dagegen. Zu Neuwahlen kommt es nicht mehr.
Am 28. März wird das Bremerhavener Stadthaus durch SA, SS und Hilfspolizei besetzt. Oberbürgermeister Waldemar Becké wird von den neuen Machthabern von seinem Amt entlassen. Der Präsident des Bremer Senats bestimmt gesetzeswidrig dem NSDAP-Stadtrat Julius Lorenzen die Geschäfte des Oberbürgermeisters zu übertragen.
Die unter anderem vom Gewerkschaftskartell zum Zweck der Errichtung des Gewerkschaftshauses "Eintracht" gegründete Baugenossenschaft wird per Senatsbeschluss aufgelöst. Die Begründung lautete: "Mißbrauch der Genossenschaftsbewegung zu marxistischen Zwecken."
Am 2. Mai lösen die Nationalsozialisten die Gewerkschaften auch in Bremerhaven und Wesermünde auf. Sie besetzen alle Büros und Häuser der Gewerkschaften, die Gewerkschaftssekretäre werden festgenommen. Bis zum Juni verhaftet die politische Polizei fast sämtliche führenden Sozialdemokraten und Gewerkschaftler.
Folkert Potrykus, Bremerhavener Redakteur der verbotenen kommunistischen Arbeiterzeitung in Bremen, verbreitete aus dem Untergrund die "Kleine Arbeiterzeitung", von der zwischen März und Oktober 1933 drei Ausgaben erschienen. In einem Versteck im Spadener Moor stellte er auf einem Vervielfältigungsapparat diese Zeitung mit Hilfe von zwei Freunden her und berichtete in ihr unter anderem über die Greueltaten der Nazis auf dem "Gespensterschiff" in Bremerhaven.
Am 06. Mai findet die Bücherverbrennung auf dem Marktplatz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz, statt.
Unter dem Druck der NSDAP löst sich am 20. Mai der 5. Bezirk des Arbeiter-Turn-und Sportbundes, in dem auch die Vereine aus Wesermünde und Bremerhaven organisiert sind, auf, um einer "Gleichschaltung" zu entgehen. Die Nazis hatten den Sozialdemokaten vorher alle Möglichkeiten genommen, weiter ihren Sport auszuüben. Die Vereine fassen dann, jeder für sich, die entsprechenden Beschlüsse, so am 10. Juni 1933 die Freie Turnerschaft Geestemünde, "da dem Verein durch die Entziehung des Benutzungsrechts der Städtischen Turnhallen (Humboldtschule und Realschule) und des Städtischen Sportplatzes jede Möglichkeit der sportlichen Betätigung seiner Mitglieder genommen ist."
Gerhard van Heukelum, Gewerkschafter und SPD Politiker wird nach der Machtergreifung der Nazis mehrfach unhaftiert und in die KZ´s Langlütjen II und Mißler (bei Bremen) gesperrt. Van Heukelum war Geschäftsführer des Bremerhavener DMV (Deutscher Metallarbeiter Verband), und als SPD Politiker Ratsmitglied der Stadt Bremerhaven, ehrenamtlicher Stadtrat im Bremerhavener Magistrat und später (bis 1933) Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft. (Van Heukelum überlebt den Naziterror und wird nach dem Zweiten Weltkrieg im Mai 1945 von der US-amerikanischen Militärregierung zum Bürgermeister der Stadt Bremerhaven ernannt. Er war seit Juni 1946 ehrenamtlicher Oberbürgermeister der Stadt Wesermünde, die im Februar 1947 auf sein Betreiben hin in das Land Bremen eingegliedert wurde, wobei das Hafengebiet bei der Stadt Bremen verblieb. Nach der Umbenennung Wesermündes in Bremerhaven 1947 amtierte er noch bis 1948 als Oberbürgermeister der Stadt.)
1935 Der Gewerkschaftssekretär Paul Haltenhof hielt über den illegalen Eisenbahnerverband Kontakt zur "Internationalen Transportarbeiterförderation", die aus dem Ausland die Widerstandsarbeit der Gewerkschaften organisierte und ein engmaschiges Informationsnetz aufbaute. Haltenhof nahm 1935 als einer von 35 illegalen deutschen Gewerkschaftsfunktionären an einer Konferenz der Internationalen Transportarbeiterförderation teil.
Auf dem Gelände der ehemaligen Tecklenborgwerft an der Geeste, beginnt der Bau der Marineschule.
1936 Das ehemalige Gewerkschaftshaus "Eintracht" fällt in die Hände eines Privatmannes.
1937 Die Rickmerswerft nimmt ihren Betrieb wieder auf.
1943 Schwere Bombenschäden nach dem Angriff im September machen den späteren Wiederaufbau des ehemaligen Gewerkschaftshauses "Eintracht" unmöglich.
1944 Bombenangriff auf den Fischereihafen und die dortigen Werften.
1945 Im Oktober werden die ersten freien Betriebsrätewahlen durchgeführt.
1947 Gründungsversammlung eines Ortsausschusses der Freien Gewerkschaften für den Stadt- und Landkreis Wesermünde. Vorsitzender ist Bernhard Lohmüller am 6. Februar.
1951 Im Juni kam es in der Schweißerei der Seebeckwerft zu einem fünfstündigen Streik der Schweißer und Brenner. Anlass war das unkollegiale Verhalten eines Schweißers. Erst nach der Intervention eines Gewerkschaftssekretärs und der Umsetzung des Schweißers durch die Werftleitung wurde der Konflikt entschärft.
1953 Erster großer Streik (6 Wochen) der Werftarbeiter nach dem Kriege für die Erhöhung der Stundenlöhne.
Die "Nordsee-Zeitung" schrieb am 25. April: "Ab heute Streik auf den Werften."
Am 27. April wurde von, als Streikbrecher eingesetzten, Meistern und Lehrlingen der Fischdampfer Max Grundebach des Unterweser-Slip zu Wasser gelassen. Die Namen der Streikbrecher blieben unbekannt.
28. April: Von der Seebeckwerft hatte die Reederei J. A. Reinecke, Hamburg, den 1500 BRT großen Motortanker "Hinrich" nach Hamburg schleppen lassen, um ihn dort mit eigenen Mitteln fertig zu bauen. Der Neubau stand kurz vor seiner Ablieferung.
1. Mai: Streikenden Werftarbeitern wurde gekündigt. Die Werften im Lande Bremen stellten den 14 000 streikenden Werftarbeitern ein Schreiben zu, in dem diesen mit sofortiger Wirkung gekündigt wurde.
5. Mai: Die NZ schrieb, daß die KPD versuche, aus dem Werftarbeiterstreik Kapital zu schlagen. "Wie festgestellt wurde, suchen seit einigen Tagen Kommunisten die hiesigen Geschäfte auf und bitten um Geld- bzw. Sachspenden für die Streikenden oder zur Unterstützung von deren Familien."
7. Mai: Ein KP-Dringlichkeitsantrag zum Werftarbeiterstreik in dem gefordert wurde, aus Landesmitteln den streikenden Arbeitern eine Unterstützung von wöchentlich 20 DM zu gewähren, wurde zwar von KPD und SPD unterstützt, fand aber keine Mehrheit. Weiter schreibt die NZ : "Für die erste Streikwoche werden, wie aus Bremen berichtet wird, am Donnerstag und Freitag an alle gewerkschaftlich organisierten Streikenden Unterstützungen ausbezahlt, die je Arbeiter durchschnittlich 35 DM betragen. Für Familienangehörige gibt es Zuschläge." Das erste von der IG Metall herausgegebene Blatt "Streik-Nachrichten" erschien kurz darauf. Ab dann erschien es täglich. Die IG-Metall erklärte darin: Durch die geforderte Stundenlohnerhöhung um acht Pfennige würden die Lohnkosten um etwas mehr als 5 % ansteigen. Der Lohnanteil an den gesamten Produktionskosten sei aber in den letzten Jahren immer geringer geworden.
Die Lohnerhöhung betrage infolgedessen auf eine DM Umsatz einen Pfennig. Weiter hieß es in den "Streik-Nachrichten": Mit großer Entschiedenheit wenden sich unsere Kollegen gegen die Treibereien der KPD, für die offensichtlich große Geldsummen zur Verfügung stehen.
Am 12. Mai verzeichnet das Wachbuch der Streikleitung:" Um halb acht Uhr konnten die Streikposten bei Sieghold nicht verhindern, daß Arbeiter, Angestellte und Lehrlinge ohne Ausweise die Werft betraten, da dieses unter Polizeischutz geschah. Die Wache wird am Mittwoch auf 45 Mann verstärkt."
Am 13. Mai wurde die Streik-Wache bei Seebeck auf 40 Mann von 5 - 8 Uhr verstärkt. Bei der Sieghold-Werft wurden die Streikposten ebenfalls auf 40 Mann verstärkt. Da aber ein starkes Polizeiaufgebot da war, konnte wiederum nicht verhindert werden, daß Angestellte und Lehrlinge ohne Ausweise den Betrieb betraten.
Am 15. Mai fand bei Seebeck eine von der IG Metall einberufene Mitgliederversammlung statt, auf der Gewerkschaftssekretär Bohnsack, Hamburg, sprach.
21. Mai: Neuer Vorschlag im Streik der Werftarbeiter. Arbeitgeber boten vier Pfennig an.
22. Mai: Der Werftarbeiterstreik ging weiter. Die Vertrauensmänner der IG Metall im Lande Bremen lehnten das Angebot der Arbeitgeber ab.
28. Mai: KP- Betriebsgruppen überrumpelten Dienststellen. Die Kriminalpolizei fahndete nach Angehörigen der Betriebsgruppen der KP-Werften, die 500 als "Spenden der Arbeiterwohlfahrt Oldenburg" getarnte "Solidaritätspäckchen" aus der Sowjetzone einführten und verteilten. Die IG Metall teilte mit, daß sie Gutscheine für verbilligtes Brot an die Streikenden ausgeben werde.
3. Juni: Solidaritätsausschuß sammelte 8000 DM. Verfahren eingeleitet, da Sammlung nicht genehmigt. Rund 8000 DM Bargeld, außerdem Lebensmittel und Bekleidung, erbrachte die vom "Solidaritätsausschuß Bremerhaven" durchgeführte Sammlung zur Unterstützung der Streikenden auf den bremischen Werften. Die IG Metall, Ortsverein Bremerhaven, distanzierte sich, soweit die Fälle ihr bekannt waren, von der Sammlung.
6. Juni: Einigung im Werftarbeiter-Streik. Ecklöhne um 5 Pfennig erhöht - Urabstimmung am Montag - Werften lagen 6 Wochen still.
8. Juni: Werftarbeiter nahmen Stellung. Zwei Werftarbeiterversammlungen fanden - eine bei Seebeck am Altmarkt und eine in der "Femina" - statt. Die Teilnehmer äußerten sich unbefriedigt. Die IG Metall erklärte, daß ein anderes Ergebnis nicht erreichbar gewesen sei.
9. Juni: Der Werftarbeiterstreik wurde beendet und das Abkommen angenommen. Am nächsten Tag erfolgte die Arbeitsaufnahme. Der Streik der 15.000 Werftarbeiter war damit beendet. Die zentrale Streikleitung der IG Metall teilte mit, daß das Abstimmungsergebnis die Dreiviertelmehrheit zur Fortführung des Streiks nicht erreicht hatte und damit das Verhandlungsergebnis, die Ecklöhne der gelernten Arbeiter um fünf Pfennig pro Stunde zu erhöhen, als angenommen galt.
1955 Auf den Bremerhavener Schiffswerften sind 8.700 Beschäftigte tätig.
1960 Am 18. November führten Arbeiter der
Seebeckwerft in der Schweißhalle einen einstündigen Sitzstreik durch, weil die Betriebsleitung noch nichts gegen den andauernden Lärm unternommen hatte. Im gleichen Zeitraum konnten die Vertrauensleute anläßlich einer Buchkontrolle feststellen, daß der gewerkschaftliche Organisationgrad bei 80 Prozent lag.
1962 Die Zahl der Beschäftigten in der Bremerhavener Schiffsindustrie geht auf 7.600 zurück.
Die Angestelltenkammer eröffnet am 1. April in Bremerhaven eine Nebenstelle.
1970 Am 1. Oktober kam es zu einem einstündigen Warnstreik bei Seebeck, den die gewerkschaftlichen Vertrauensleute gut vorbereitet hatten. Auf der Vertrauensleuteversammlung am 5. Oktober berichtete Günther Linde, daß die Tarifverhandlungen gescheitert seien. Es werde jetzt die Schlichtung angerufen und das bedeute wiederum 22 Tage Friedenspflicht.
Am 26. Oktober demonstrierten 4.000 Arbeiter und Angestellte von Bremerhavener Werften, um gegen die erneut geplatzten Tarifverhandlungen zu protestieren. Um 10 Uhr beschloss die Belegschaft der Seebeckwerft einen Demonstrationsmarsch zum Theodor-Heuss-Platz. Unter dem Ruf "Wir fordern jetzt 15 Prozent" griffen die Arbeiter von der Rickmers-Werft die Idee auf und marschierten dem Zug entgegen. Dann zogen die Demonstranten zu den anderen Werftunternehmen. Arbeiter der Schichau-, der Unterweser-Werft und des Werftbetriebes von Hapag-Lloyd stießen zu ihnen. Auf dem Melchior-Schwoon-Platz sprach der IG Metall-Bevollmächtigte John Rappeport zu den Arbeitern. Er begrüßte die Demonstranten und wies auf die Urabstimmung am übernächsten Tag hin, denn "ein Streik geht nicht an einem Tag zu Ende."
1971 Die Kreishandwerkerschaft übernimmt ihr neues "Haus des Handwerks" am Elbinger Platz.
1973 Auf Grund heftig steigender Preise und Inflation, kam es in der Mitte des Jahres zu einer Bewegung in den Großbetrieben, die Forderungen nach Teuerungszulagen stellte. Kein Wirtschaftsbereich war davon ausgenommen. In der Werftindustrie kam es zu Streikaktionen. 5.000 Vulkan-Arbeiter standen an der Spitze des Kampfes. Auch bei der Krupp-Werft Seebeck, Bremerhaven, kam es zu einer Aktion des größten Teiles der Belegschaft.
Am Montag, den 18. Juni um 12 Uhr: Der größte Teil der Belegschaft wirft nach einer Branchenversammlung die Brocken hin. Eine große Demonstration bewegt sich durchs Werk.
Hier wurde die Forderung nach einer Teuerungszulage von 280 DM gestellt. Auch andere Bremerhavener Werften forderten Teuerungszulagen. Am 21. Juni fand bei der Seebeckwerft eine außerordentliche Betriebsversammlung statt. Von seiten der Unternehmensleitung der AG "Weser" wurde im Vorgriff auf das Weihnachtsgeld 100 DM angeboten. Kommentar der "Werft-Nachrichten": ""Was wird hier gespielt? Es ist doch bekannt, daß diese 100 DM-Zahlung im Vorgriff auf ein erhöhtes Weihnachtsgeld von der Belegschaft einmütig abgelehnt wird. Mit gutem Recht! Denn 100 DM zu bekommen, die man ohnehin in der Tasche hat, hat ja wohl mit einer Teuerungszulage nichts zu tun, sondern ist ganz schlicht und einfach ein ausgelegter Schwindel."
1974 Höhepunkt der langen und harten Tarifbewegung 1973/1974 in der Metallindustrie war der dreiwöchige Streik der organisierten Metallarbeitnehmer im Tarifgebiet Unterweser. Ca. 52.000 Metallarbeiter in 86 Bremer und Bremerhavener Metallbetrieben forderten 18% mehr Lohn und Gehalt und 140,- DM für die Auszubildenden. Nach erfolglosen Verhandlungen mit den Arbeitgebern erklärte der IG Metall-Vorstand am 31. Januar die Verhandlungen für gescheitert. Am 18. Februar erging ein Einigungsvorschlag der Schlichtungsstelle unter Vorsitz des Präsidenten des Landesarbeitsgerichts Bremen, Heinz Menkens: "14% Anhebung der Löhne und Gehälter, 70,- DM mehr Ausbildungsvergütung, 2 Tage Urlaub mehr in 1974, eine Pauschale für Kontoführungskosten und Absicherung älterer Arbeitnehmer". Dieser Einigungsvorschlag wurde von der Tarifkommission der IG Metall am 25. Februar einstimmig angenommen, von den Arbeitgebern aber abgelehnt. Daraufhin erfolgte am 28. Februar und 1.März die Urabstimmung. Die Metallarbeitnehmer entschieden sich mehrheitlich für Streik. Am Montag, den 11.März zogen morgens um 6 Uhr die Streikposten der IG Metall vor dem Haupttor und dem Eingang der Verwaltung der Seebeckwerft auf.
In drei machtvollen Zügen demonstrierten am Donnerstag den 21. März Bremerhavens Metaller zur Kundgebung auf dem Theodor-Heuss-Platz. Dort sprach der 2. Vorsitzende der IG Metall, Hans Mayr, vor rund 10.000 Kolleginnen und Kollegen. Zu den Sammelpunkten strömten die Kollegen der Betriebe Seebeckwerft, Rickmers, Unterweser, Schichau, Schlotterhose und viele andere schon eine bis eineinhalb Stunden vor dem Beginn der Demonstration. Schon hier auf den drei Sammelpunkten wurde deutlich: Die Front der Metaller steht unerschütterlich. Empörung und Zorn wachsen über die sture und provokatorische Haltung der Unternehmer und ihres Verbandes "Gesamtmetall".
Am 25. März stimmte die Große Tarifkommission dem Einigungsvorschlag zu und gab die Empfehlung an den IG Metall-Vorstand die Urabstimmung durchzuführen. Das Ergebnis wurde angenommen.
1978 Auf den 6 Bremerhavener Schiffswerften sind 7.300 Beschäftigte tätig.
Streik der Hafenarbeiter vom 25. bis zum 29. Januar.
Am 6. November demonstrieren 3.000 Werftarbeiter für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze, da die Werftkrise auch die Bremerhavener Werften trifft.
1979 Die Kreishandwerkerschaft gründet am 26. Mai die "Akademie des Handwerks" zur Fortbildung aller Handwerker.
1980 Von den in Bremerhaven in der Industrie Beschäftigten sind 50% auf den sechs Werften der Stadt tätig.
1981 Am 5. Februar gingen 5.000 Werftarbeiter in Bremerhaven für ihre gefährdeten Arbeitsplätze auf die Straße. Die NZ schrieb dazu: "Eindrucksvolle Kundgebung gestern auf dem Theodor-Heuss-Platz. Aus nördlicher Richtung durch die Fußgängerzone brandete eine Woge vorwiegend gelber Helme, aus dem Süden schwappte über die alte Geestebrücke eine Welle blauer Schutzhelme - auf dem Theodor-Heuss-Platz vereinigten sie sich zu einem Meer, das die Grenzen des Platzes überflutete. Annähernd 5.000 Werftarbeiter formierten sich gestern vormittag zu eindrucksvollen Demonstrationen und einer Kundgebung, bei der sie ihre Sorge um die Arbeitsplätze in der Werftindustrie deutlich machten."
Arthur Ledebur, der Bevollmächtigte der IG Metall Bremerhaven, erinnerte daran, daß allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Gerhard Lilienfeld von der Bezirksleitung der IG Metall Hamburg sagte, allein seit 1975 sei die Zahl der Arbeitsplätze auf den Werften in Norddeutschland um 20 000 verringert worden. Im gleichen Zeitraum haben zehn Schiffbauunternehmen in Norddeutschland die Produktion eingestellt.
Blockade des Fischereihafens durch Hochseefischer wegen der EG-Fischereipolitik vom 9. - 13. Februar.
Großkundgebung der Gewerkschaften am 5. März auf dem Theodor-Heuß-Platz wegen der Sorge um die Arbeitsplätze in der Fischindustrie.
9. März: Warnstreik der IG Metall wegen Lohnforderungen.
1983 Auf den 6 Bremerhavener Schiffswerften sind 6.500 Beschäftigte tätig.
Die Arbeitslosenquote in Bremerhaven beträgt bei 7909 Arbeitslosen im April 14,8%.
13./15. Oktober: Friedensdemonstration in Bremerhaven mit über 30.000 Beteiligten.
1984 Im März beträgt die Arbeitslosenquote in Bremerhaven 16,3%.
1986 Die Rickmers-Werft wird am 30. Juni endgültig geschlossen. 970 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.
Im Juli wird ein Werftenverbung aus dem Bremer Vulkan in Bremen, der Lloyd-Werft, der Schichau Unterweser und der Seebeck-Werft in Bremerhaven geschaffen, um der Existenzbedrohung der Schiffbauwerften zu begegnen.
Im Dezember beträgt die Arbeitslosenquote im Stadtgebiet von Bremerhaven 17,4%. Das ist der höchste Monatswert, der je registriert wurde.
1991 Am 21. Mai demonstrieren 1.500 Arbeitnehmer der Werft in der Georgstraße gegen die Streichung der Werfthilfen durch die CDU/FDP-Bundesregierung. 300 Werftarbeiter der Motorenwerke und 500 Kollegen der Lloyd-Werft folgten ebenfalls dem Aufruf der IG Metall. Auf der Kundgebung auf der Georgstraße sagte Detlef Meyer, Leiter des Vertrauensleutekörper der SSW, die Werft habe fest mit Auszahlung von 20 Mio. DM Schiffbauhilfe gerechnet. Ohne sie gebe es keine Anschlußaufträge mehr.
Am 30. August demonstrierten erneut 4.000 Arbeiter und Angestellte gegen den Abbau der Werftenhilfe. Während der Kundgebung in der Stadthalle schlug Staatssekretär Bernd Neumann (CDU) und FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Richter eine Welle von Aggressivität entgegen. Mit Transparenten, Signalhörnern, Trommeln aus Blecheimern, Buhrufen, Pfiffen und Pappnasen machten die Werftarbeiter ihrem Unmut und ihrer Enttäuschung Luft.
1993 Gegen den Arbeitsplatzabbau demonstrierten die Werftarbeiter am 6. August mit 2.000 Demonstranten. Die Angst der Arbeiter ging dahin, daß sie befürchteten, dass mit dem beabsichtigten Bau einer Werft Meerestechnik Wismar für 0,5 Mrd DM durch den Vulkan, der Werftstandort Bremerhaven aufgegeben werden sollte. Dort plant der Vulkan den Bau einer der modernsten Werften der Welt. In der Presse wurde Hennemann zu Recht kritisiert. Er rüste die Meerestechnik Wismar mit einer halben Millarde DM auf, um den Kampf mit den Giganten Japan und Korea aufzunehmen, vergesse dabei aber, daß der Vulkan seine Kraft immer noch aus den öffentlichen Mitteln des Landes Bremen sauge. Es mache keinen Sinn, einen hart umkämpften Markt für Tanker und Bulker erobern zu wollen, wenn dabei ein bereits eroberter Markt verlore gehe. Auf dem Spezialistenmarkt für Kreuzliner und Fähren hat Schichau Seebeckwerft bislang einen guten Platz.
Betriebsrat und Vertrauensleute der SSW kritisierten, daß der Vulkan zwar bereit sei 500 Mio. DM in die Neuerwerbung MTW zu investieren, gleichzeitig aber Entscheidungen über erforderliche Investitionen hinter der Doppelschleuse hinauszögere. Vordringlich wäre ein Dock, in dem Schiffe bis zur Panmax-Breite von 32 m gebaut werden könnten.
Schiffahrtsexperten sprachen wieder einmal davon, daß die Werft das Jahr 1994 nicht überleben würde.
Nach Protesten und Forderungen aus der Belegschaft versprach Dr. Jürgen Gollenbeck ein Ingenieurbüro mit der Planung eines Panmax-Docks zu beauftragen. Für den Schleusenausbau als Voraussetzung zum Dock-Bau setzten sich auch der Magistrat von Bremerhaven und die die oppositionelle CDU ein.
1996 Im Februar demonstrierten 19.000 Beschäftigte des Vulkan-Konzerns für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Größte Veranstaltung war die gemeinsame Betriebsversammlung der acht Bremerhavener Vulkan-Betriebe mit knapp 3000 Beschäftigten. Zentrales Thema der Veranstaltung war die Aufforderung an die Banken, einen Kredit in Höhe von 220 Mio. DM an den Vulkan auszuzahlen, um den Konzern vor dem drohenden Konkurs zu retten.
Am 22. Februar demonstrierten ca 20.000 Bremerhavener zum Thema "Bremerhaven muss Werftenstandort bleiben". Der Vulkan bebte und ganz Bremerhaven wurde wachgerüttelt.
Unbezahlte Rechnungen von über 220 Millionen DM und ein weiterer Liquiditätsbedarf von rund 2,3 Milliarden Mark haben die Bremer Vulkan AG in den Vergleich getrieben. Einstimmig billigte am 21. Februar der Aufsichtsrat den Vergleichsantrag. Neben der Konzernholding beantragte auch die zum Verbund gehörende Bremerhavener Schichau Seebeckwerft AG den Vergleich. Zum Vergleichsverwalter für Bremerhaven bestellte das Amtsgericht den Düsseldorfer Steuerberater Wolfgang van Betteray.
Kleine Geschichte der Bremerhavener Arbeiterbewegung
Z w i s c h e nw 1 8 2 7 - 1 9 5 3
Zur Vertretung ihrer Interessen organisieren sich die Arbeiter im 19. Jahrhundert in der Arbeiterbewegung.
Die Arbeitsbedingungen waren hart, als am 1. Juli 1827 die Ausschachtungsarbeiten zum Bau des Alten Hafens begannen. Da es keine Maschinen für die Erdbewegungen gab musste die Erde auf Pferdegespanne geschaufelt und zur Weser zwecks Anlage eines neuen Deiches transportiert werden. Da der versprochene Lohn von 60 Grote (etwa 1,30 Euro) im Akkord erarbeitet werden mußte und die Arbeitszeit von 4.30 Uhr morgens bis 20.00 Uhr abends angesetzt war, kam es zu häufigen Unruhen. Bereits am Tag des Baubeginns gab es Auseinandersetzungen. Statt der in Aussicht gestellten 60 Grote kamen die Arbeiter infolge der schwierigen Bodenverhältnisse höchstens auf die Hälfte. Ein Streik um mehr Lohn, der bereits Mitte Juli 1827 ausbrach und an dem sich bis auf ca. 50 alle Arbeiter beteiligten, hatte keinen Erfolg. Aber schon einen Monat später streikten erneut 500 Arbeiter um mehr Lohn.
Die Schiffszimmerleute waren es, die nicht länger widerspruchslos die unzureichende Entlohnung durch die Werftbesitzer hinnehmen wollten. Unter dem 18. Dezember 1848 richteten sie eine Resolution an den Senat, in der sie ihre Situation auf den Werften darstellten. Der durch "Niederwerfen der Arbeit" in den Jahren der Teuerung (1846/1847) erstreikte Tageslohn von 48 gt Preuß. Courant sei im Sommer 1848 auf 36 gt und im Dezember auf 30 gt unter dem Vorwand herabgesetzt worden, es sei keine Arbeit vorhanden.
Sie forderten: "So muß unser Tageslohn nothwendig so sein, daß eine Familie davon leben kann." In anderen Städten, wie Harburg, Altona, Lübeck, Stettin seien Mindestlöhne gesetzlich vorgeschrieben, während in Bremerhaven "die hiesigen Schiffszimmerleute gar zu sehr in Hinsicht des Tageslohns der Willkür der Schiffsbaumeister preisgegeben sind".
In der Begründung ihrer Forderungen klangen schon die Ideen von Marx und Engels an, wenn sie schrieben, es sei "in der neueren Zeit viel über die richtige Vermittelung zwischen Arbeiter und Capital gesprochen worden", in Bremerhaven dagegen sei eine "Wucherei" der Schiffsbaumeister festzustellen. Wencke erhalte grade beim Bau eines Kriegsdampfers pro Mann und Tag 51 grote Hamb. Courant, zahle aber nur 30 gt Preuß. Courant. "Wer", fragten die Arbeiter den Senat, "vermag alsdann den gerechten Unwillen gegen seine Baumeister zu unterdrücken, der in einem Tage mehrere Ld´or verdienen will, während seine Arbeiter so zu sagen Hunger leiden müssen. Längst ist es erwiesen, daß der Wohlstand eines Staates nicht darin besteht, daß er einige reiche Einwohner nachzuweisen hat, sondern darin, daß sämmtliche Einwohner ihr Auskommen haben."
Neben dem zu geringen Verdienst rügten die Arbeiter, daß die Werften Ungelernte zu Billiglöhnen als "Schiffszimmerer" einstellten und dadurch die Löhne drückten. "Die Folgen hiervon...sind Haß und Verachtung gegen den Baumeister und der Gedanke an Aufruhr, Niederwerfen der Arbeit, Mißmuth des Familienvaters."
Im Zuge der revolutionären Bewegung des Jahres 1848 hatten die Arbeiter aber nicht nur Forderungen nach garantierten Mindestlöhnen erhoben, sie forderten ebenfalls eine soziale Besserstellung, Arbeitszeitverkürzungen, Abschaffung der regelmäßigen Sonntagsarbeit und eine staatliche Hilfe für Arbeitslose.
Am 09.02.1849 beschied der Bremer Senat die Schiffszimmerleute in Bremerhaven, dass er ihrem Gesuch einen Mindestlohn festzusetzen nicht stattgeben könne und er auch nicht bereit sei zu verbieten, Ungelernte als Schiffszimmerleute einzustellen.
"Mit Rücksicht auf die Konkurrenzverhältnisse benachbarter Schiffsbauplätze" sei der Senat nicht Willens durch Festsetzung einer Lohntaxe oder durch Qualifikationsvorschriften in das Gewerbe der Schiffbauer "störend" einzugreifen.
Trotz der drohenden Töne der Arbeiter führte die abschlägige Antwort des Senats nicht zu einem Streik. Das gemeinschaftlich abgefasste Schreiben zeigt aber deutlich, dass die Arbeiter auf den Werften begannen, sich zu organisieren, um gemeinsam ihre Forderungen durchzusetzen.
1866 gründete der aus Tangermünde stammende Werftschlosser August Pagel in Geestendorf eine Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), der 1863 von Ferdinand Lassalle ins Leben gerufen worden war. Die Gründung war genehmigungspflichtig. August Pagel gab als Zweck des Vereins an:
"Vertretung der Interessen des Arbeiterstandes, eine ehrenhafte Beseitigung des Klassengegensatzes, die Durchsetzung des allgemeinen und direkten Wahlrechts auf gesetzlichem Wege, Bildung der Arbeiter und die moralische Hebung des Arbeiterstandes.
Regierungsrat Schönian trat für die Genehmigung ein und bemerkte, daß ein solcher Verein auf den hiesigen Arbeiterstand, in welchem viel Roheit herrscht, eine vorteilhafte moralische Wirkung ausüben würde".
Der Schiffbaumeister Lange hatte 1867 wegen Auftragsmangel 50 seiner Arbeiter entlassen und die übrigen auf Kurzarbeit gesetzt. Bei einem unerwartet eingehenden größeren Reparaturauftrag stellte Lange seine entlassenen Abeiter nicht wieder ein, sondern wandte sich an die Werftunternehmer Ulrichs und Rickmers, ihm Arbeiter zu leihen. Das ließen sich die Arbeiter nicht mehr gefallen. Sie traten unter der Führung des ADAV in den Streik und forderten Wiedereinstellung und eine Verkürzung der 10 1/2- bis 12stündigen Arbeitszeit um eine Stunde. August Pagel, dieser ehrlich, besonnene und rechtschaffene Arbeiterführer, appellierte an die "Menschenfreundlichkeit und Humanität der Arbeitgeber", da er genau wusste, wie groß das Risiko dieses Streiks war. Ein Streikrecht gab es nicht, der kaiserliche Staat betrachtete Streiks als illegal und stand immer auf der Seite der Unternehmer. Die Bremerhavener Arbeitgeber reagierten unerbittlich. Sie sperrten die Arbeiter aus und holten Streikbrecher aus Ostfriesland und von der Ostsee. Da die Streikenden so gut wie keine Unterstützung erhielten, herrschte recht bald bitterste Not in den Arbeiterfamilien. Im Juni 1867 endete dieser Streik an der Unterweser ohne den geringsten Erfolg für die Arbeiterschaft.
Trotzdem gingen die Bemühungen um den Zusammenschluß der Arbeiter weiter.
Der aus Ostfriesland stammende Tischler Theodor Jork hielt in Geestendorf Versammlungen ab, um Mitglieder für Lassalles ADAV zu werben. Durch den Bau der Kaiserhäfen, der Forts Brinkamahof und Langlütjen und durch die vielen Neubauten in den Unterweserorten setzte ab 1870 ein starker Zuzug von mecklenburgischen und schlesischen Arbeitern ein. Allmählich begann sich eine organisierte Arbeiterbewegung zu bilden.
Auf dem internationalen Arbeiterkongress vom 14.-20. Juli 1889 in Paris hatten die Delegierten beschlossen, "für einen bestimmten Zeitpunkt einen große internationale Manifestation zu organisieren, und zwar dergestalt, daß gleichzeitig in allen Ländern und allen Städten an einem bestimmten Arbeitstag die Arbeiter an die öffentlichen Gewalten die Forderung richten, den Arbeitstag auf acht Stunden festzusetzen".
Da die American Federation of Labor 1888 bereits einen solchen Beschluß für den 1. Mai 1890 gefaßt hatte, wurde dieser Tag als Termin für die Kundgebungen festgesetzt.
Für die Unterweserorte beschlossen die Arbeiter am 7. April 1891 auf einer gut besuchten Veranstaltung im "Collosseum" in der Bürgermeister-Smidt-Straße, die Mai-Feier als große Demonstration am 3. Mai, einem Sonntag durchzuführen.
Am 1. Mai sollte gearbeitet und ein Viertel des an diesem Tage verdienten Lohnes an die Generalkommission der freien Gewerkschaften abgeführt werden. Damit war die Gefahr von Entlassungen wegen Arbeitsniederlegung am 1.Mai umgangen. Eine große Zahl von Unternehmern in den Großstädten hatte bereits im Frühjahr 1890 angekündigt, sie würde Arbeiter, die am 1. Mai nicht zur Arbeit erschienen, aussperren bzw. entlassen. Im preussischen Lehe und Geestemünde wurde die Demonstration verboten. Das Bremische Amt in Bremerhaven erlaubte sie, weil "durch Verbot oder Beschränkungen die Sache nur eine unverdiente Wichtigkeit erhalten würde". Auf ihren ersten Mai-Demonstrationen konnten die Arbeiter vom Marktplatz durch die Bürgermeister-Smidt-Straße zum Saal der Gaststätte "Collosseum" ziehen, allerdings ohne roten Fahnen, die waren nicht erlaubt.
In den folgenden Jahren wurden die Demonstrationen überwiegend verboten. Bei der Begründung dieser Verbote zeigten die Behörden viel Phantasie; nicht nur die Störung der Ruhe, der öffentlichen Ordnung und des Verkehrs waren Ablehnungsgründe, sondern auch die Belastung der Geestebrücke durch den Gleichschritt der Demonstranten, die Teilnahme von Frauen, das Singen der Marseillaise. Gastwirten, die ihre Säle für Versammlungen zur Verfügung stellten, drohte der Entzug der "Tanzerlaubnis" oder ein "Militärverbot" für ihr Lokal, d.h. erhebliche Einnahmeverluste.
Als 1896 die Umzüge, an denen inzwischen oft mehr als 2000 Menschen teilnahmen, verboten wurden, fanden am 1. Mai "zwanglose Spaziergänge" über die "Bürger" bis nach Geestemünde statt.
Für die Arbeitnehmerschaft der Unterweserorte war das Jahr 1904 besonders folgenschwer und opferreich. Es ging um die Frage des Arbeitsnachweises, die schon immer zwischen Unternehmern und Arbeitern heftig umstritten war. Die Gewerkschaften forderten gesetzliche, kommunale Arbeitsnachweise, an denen Arbeiter und Unternehmer paritätisch beteiligt sein sollten. Dagegen wollten die Unternehmer die Arbeitsvermittlung allein in Händen haben, weil sie darin ein wirksames Kampfmittel gegen die Gewerkschaften, besonders gegen deren leitende Personen, sahen.
Die Bauunternehmer hatten eigene Arbeitsnachweisbüros eingerichtet und wollten nun die Bauarbeiter zwingen, diese Büros anzuerkennen und auf eigene Gewerkschaftliche Mitgliedschaft zu verzichten. Als die Bauarbeiter diese Forderungen mit aller Entschiedenheit ablehnten, griffen die Unternehmer am 5. April 1904 zum schärfsten Kampfmittel, sie sperrten alle Bauarbeiter in den Unterweserorten aus. Das von den Arbeitgebern erwartete Nachgeben der Bauarbeiter blieb aus, obwohl in den Arbeiterfamilien nun größte Not ausbrach. Die Unternehmer versuchten, Arbeitskräfte von auswärts, vor allem aus Italien, Polen und Böhmen, zu gewinnen. In den meisten Fällen schlugen diese Versuche fehl. Ein Zwischenfall auf dem Geestemünder Bahnhof beim Eintreffen eines Streikbrechertransportes führte zum großen Geestemünder Landfriedensbruchprozess. Wegen des Versuchs, ein Fahrzeug mit Streikbrechern aufzuhalten, und wegen einiger Steinwürfe, die niemanden trafen, verurteilte die Strafkammer in Geestemünde 12 Angeklagte am 12. Dezember 1904 nach fünfmonatiger Untersuchungshaft zu insgesamt 61 Monaten Gefängnis.
Die Aussperrung der Bauarbeiter ging erst im Oktober 1904 zu Ende.Der Arbeitsnachweis der Bauunternehmer blieb bestehen, aber kein Bauarbeiter trat aus der Gewerkschaft aus.
Mit der auflebenden Konjunktur und dem Wachsen der Industriekapazität ab 1909 setzten verstärkt Bemühungen der Gewerkschaften ein, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter zu verbessern. Die zweite Werftarbeiterkonferenz, die im Juli 1910 in Hamburg tagte, war von Delegierten aus Bremen, Bremerhaven, Flensburg, Hamburg, Kiel, Lübeck, Rostock, Stettin und Vegesack beschickt. Die Konferenz beschloß die Verabschiedung einer "Vorlage zur Regelung der Lohn-und Arbeitsverhältnisse auf den Seeschiffswerften".
In dem Papier wurde geforderte, die täglich Arbeitszeit auf neun Stunden zu reduzieren, an Samstagen auf 8 Stunden. Die Wochenarbeit sollte auf 53 Stunden begrenzt werden und der Wochenlohn um 10% erhöht. Es ging um eine verbindliche Akkordregelung, einen Arbeiterausschuß als Vermittlungsinstanz zwischen Arbeitgeber und Arbeitern.
Die Werftunternehmer lehnten ab mit der Begründung, die Leistungsfähigkeit des Schiffbaus vertrage solche Beunruhigungen nicht.
Infolge der starren Haltung der Arbeitgeber kam es in Hamburg nach einer weiteren Sitzung der Werftarbeiterkonferenz zur Arbeitsniederlegung auf allen dort befindlichen Werften. 7000 Werftarbeiter traten am 5.8.1910 in den Streik, darunter auch die den christlichen und Hirsch-Dunkerschen Gewerkschaften angeschlossenen.
Die Werftindustriellen konterten wiederum mit einer allgemeinen Aussperrung auf allen Hamburger Werften. Am 11.8. wurden 60% aller Arbeiter entlassen. Zu den inzwischen 9000 Streikenden kamen nun noch 11000 Ausgesperrte. Die Streikbewegung weitete sich durch Sympathiestreiks auf nahezu alle anderen Werften aus und im September 1910 befanden sich über 36000 Werftarbeiter von insgesamt 46000 im Ausstand, darunter in Bremerhaven/Geestemünde 1492.
Die Werftindustriellen hatten die Stärke der organisierten Arbeiterschaft zum ersten Mal erheblich unterschätzt.
Die von den Arbeitern erhobenen Forderungen hatten für diese tatsächlich grundsätzliche Bedeutung. Es ging, wie bereits beschrieben, erstens um die feste Vereinbarung von Einstellungslöhnen, die bisher von den Werftbesitzern willkürlich festgesetzt wurden, zweitens um die Schaffung von verbindlichen Regeln für die Akkordarbeit, drittens um die Einführung einer erträglichen Normalarbeitszeit, viertens sollte die Leistung von Überstunden vertraglich geordnet werden. Es hatte die Gewerkschaften vor noch nicht langer Zeit Mühe gekostet, wenigstens die Pflicht der Werftarbeiter zur Leistung ununterbrochener 36stündiger Arbeit auf 24 Stunden zu mindern. Nun verlangten sie als Höchstmaß 18 Stunden.
Es kam schließlich am 8. Oktober 1910 zu einem Kompromiß, der Verkürzung der Arbeitszeit für die Hamburger Werften auf 55und für die Arbeiter der anderen Werften auf 56 Stunden vorsah. Außerdem wurde eine Lohnerhöhung von 2 Pfennig auf die Mindest-Einstelllöhne für alle Gewerbe und die Einsetzung von Arbeiterausschüssen auf allen Werften vereinbart.
Wie auch in anderen Orten spielte im gewerkschaftlichen Leben Bremerhavens die Lokalfrage eine große Rolle. Es gab nur wenig Gastwirte, die ihre Räume aus gesinnungsmäßiger Verbundenheit den Gewerkschaften zur Verfügung stellten. Für die übrigen war das eine rein geschäftliche Angelegenheit. Wirte, die ihre Lokale Arbeiterorganisationen zur Benutzung vermieteten, hatten jedoch vielfach unter behördlichen Schikanen zu leiden und wurden außerdem von den anderen Organisationen (vaterländischen und Kriegervereinen) boykottiert.
Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und mehreren Boykottmaßnahmen gegen Wirte, die ihre Räume auf dem Wege gütlicher Vereinbarung nicht zur Verfügung stellen wollten, beschloß das Gewerkschaftskartell, in Verbindung mit dem "Konsum- und Sparverein Unterweser", den Bau eines eigenen Hauses mit entsprechenden Büro- und Versammlungsräumen. Zur Finanzierung des Baues errichteten beide 1911 eine Baugenossenschaft, deren Anteile der Konsumverein und die beteiligten Gewerkschaften aufbrachten. 1912 wurde das Gewerkschaftshaus "Eintracht", Am Deich 55, in Bremerhaven eröffnet. Die Büroräume reichten jedoch bei weitem nicht zur Unterbringung aller Gewerkschaften aus. Die größten, Metallarbeiter-Verband, Transportarbeiter-Verband- und eine Reihe kleinerer Verbände, blieben draußen. Das "Haus Eintracht" entwickelte sich in den folgenden Jahren und vor allem nach dem Ersten Weltkriege zum Zentrum des gewerkschaftlichen, sportlichen und kulturellen Lebens der Arbeiterschaft in den Unterweserorten. Endlich waren die Arbeitersportler und die Arbeitersänger nicht mehr auf Räume in Gastwirtschaften angewiesen. Eine große Zahl von Bildungsveranstaltungen, die Arbeiterbibliothek, das Arbeitersekretariat und die Arbeiterjugend fanden hier ihr Zuhause.
Durch Senatsbeschluß wurde 1933 die Genossenschaft aufgelöst. Die Begründung lautete: "Mißbrauch der Genossenschaftsbewegung zu marxistischen Zwecken."
Das Haus kam dann 1936 in die Hände eines Privatmannes. Die schwerern Bombenschäden nach dem Angriff im September 1943 machten einen Wiederaufbau unmöglich.
Am 6. November 1918 teilte der Bremerhavener Festungskommandant, Vizeadmiral Schröder, den Arbeiterführern Arnemann, Geiger Hoffmann, Schlüter und Stampe mit, daß die Marinemannschaften den Gehorsam verweigerten und einen Umzug durch die Unterweserorte planten. Er wollten wissen, wie sich die Arbeiterschaft zu dieser Demonstration verhalten würde.
Die Arbeiterführer erklärten, daß sie sich der Revolution anschließen, aber Blutvergießen vermeiden wollten. Auf der "Bürger" setzten sich die Arbeiterführer an die "Spitze" des Matrosenumzuges. Auf dem Marktplatz hielt August Stampe eine Ansprache, in er die Matrosen aufrief, nur bei Widerstand die Waffen zu gebrauchen. Fritz Thienst berichtete von den Ereignissen in Kiel und den Forderungen der Matrosen, denen sich die Bremerhavener Mariner sofort anschlossen.
Am 7. November wurden ein Soldatenrat und ein Arbeiterrat gewählt. Man einigte sich auf ein vorläufiges Programm:
1. Unterstützung aller Bestrebungen für den Abschluß eines Waffenstillstandes und eines Friedens
2. Beschleunigte Demokratisierung in Reich, Staat und Gemeinden
3. Einfluß des Arbeiter- und Soldatenrates auf die Lebensmittelversorgung
4. Verkürzung der Arbeitszeit
Die Umwälzung verlief an der Unterweser ohne jedes Blutvergießen. Am 10. November bewegte sich ein mächtiger Zug von Arbeitern, Matrosen und Soldaten des Heeres mit Musik und Fahnen durch die Hauptstraßen der Unterweserstädte. Die staatliche Macht lag nun in den Händen der Arbeiter und Soldaten.
Der Vorsitzende des Bremerhavener Arbeiter- und Soldatenrates war August Stampe (1878-1965), der aus Wandsbek stammte und von 1903 bis 1912 in Bremen lebte. 1912 kam er als Sekretär der Bauarbeiter-Gewerkschaft nach Bremerhaven. Er war auch Vorsitzender des Ortsvereins Bremerhaven der SPD. Nach vierjähriger Soldatenzeit im I. Weltkrieg kehrte August Stampe 1918 nach Bremerhaven zurück und war hier entscheidend bei der Bildung des Arbeiter- und Soldatenrates im November 1918 beteiligt. Von 1919 bis Juli 1920 gehörte August Stampe als Senator für das Bauwesen der vorläufigen Regierung der Freien Hansestadt Bremen an.
Der letzte große Arbeitskampf der Werftarbeiter um bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit vor der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 fand im Herbst 1928 statt. Obwohl in Bremerhaven die Schließung der Tecklenborgwerft inzwischen beschlossen war und während der Auseinandersetzung auch tatsächlich erfolgte, wollten die Werftarbeiter auf die Chance, die immer noch niedrigen Löhne nach dem Auslaufen des geltenden Tarifvertrages aufzubessern, nicht verzichten. Eine Verkürzung der Arbeitszeit war ebenfalls überfällig, denn obwohl die Unternehmer den Rückgang des Schiffbaus lautstark beklagten, wurden auf den deutschen Werften noch immer 52 Stunden wöchentlich gearbeitet, d.h. der 1918 festgelegte Achtstundentag auf den Werften auch nach zehn Jahren Republik noch nicht galt.
Typisch an den Werftarbeiterkonflikten jener Zeit war, daß jede Lohn/Arbeitszeitauseinandersetzung in diesem Tarifbereich das Charakteristikum eines Großkampfes hatte. Die Werftunternehmer an Ost- und Nordsee bildeten seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eine geschlossene Abwehrfront. Sie traten allen von den Gewerkschaften geforderten Verbesserungen der Arbeits- und Lohnbedingungen als einheitlicher Unternehmerverband entgegen. Ein Umstand, der es den Gewerkschaften aufgrund ihrer Zersplitterung in Richtungs- und Branchenverbände außerordentlich schwer machte, auf den Werften Erfolge zu erzielen. Mehr als 40 Organisationen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der christlichen, Hirsch-Dunkerschen, kommunistischen, gelben und nationalen Gewerkschaften erhoben auf den Werften den Anspruch, Arbeiter und Angestellte zu vertreten.
Bereits im Frühjahr 1928, nachdem etliche Großreedereien Schiffsneubauten in Auftrag gegeben und sich die Beschäftigungslage auf einigen Werften gebessert hatte, stellten die Verbände der Werftarbeiter die Forderung auf eine Lohnerhöhung von 10 Pf. Die Löhne lagen zu dieser Zeit in Bremerhaven bei 71-75 Pf für gelernte, 64-68 Pf für angelernte und 56-69 Pf für ungelernte Arbeiter.
Die Verschlechterung der Lage bei Tecklenborg machte die Situation in den Unterweserstädten prekär, weil die Beschäftigungszahlen der anderen Werften weit unter denjenigen der Tecklenborg-Werft lagen, so daß der Verlust der bisher führenden Werft als besonders schwerwiegend angesehen werden mußte.
Trotz dieser Situation ergab eine bereits im März 1928 durchgeführte Probeabstimmung auf den Werften mit 2582 zu 213 Stimmen eine überwältigende Mehrheit für einen eventuellen Streik. Nach ergebnislosen Verhandlungen griff der Schlichter ein und fällte nur mit seiner Stimme, also gegen die Stimmen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer einen Schiedsspruch, der eine Erhöhung der Löhne um 5Pf vorsah.
Vor dem Eintritt in neue Lohnverhandlungen gab es Auseinandersetzungen zwischen dem Holzarbeiter- und dem Metallarbeiter-Verband, beide Mitglieder der Zentralwerftkommission der freien Gewerkschaften. Die Holzarbeiter hatten Sonderforderungen in Höhe von 15 Pf über dem Spitzenlohn der übrigen Werfthandwerker beschlossen, die zu vertreten von den übrigen Mitgliedern der Kommission abgelehnt wurde. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband entzog daraufhin der Kommission das Mandat. Die Unternehmer lehnten jedoch ab, für die Holzarbeiter getrennt zu verhandeln. Daraufhin galten die Verhandlungen, noch ehe sie recht begonnen hatten, als gescheitert, und wieder hatte nun der Schlichter das Wort. Dieser fällte - abermals nur mit seiner Stimme - einen Schiedsspruch, der den Arbeitern 1 Stunde Arbeitszeitverkürzung und 4 Pf Lohnerhöhung für die nächsten 13 Monate brachte. Dieser Spruch wurde jedoch entgegen dem Verlangen der Werftunternehmer durch den Reichsarbeitsminister nicht für verbindlich erklärt.
Die Werftarbeiter waren trotz ihrer nicht gerade guten Position angesichts der Verteuerung der Lebenshaltungskosten nicht bereit, dieses Ergebnis hinzunehmen, und so kam es am 1. Oktober 1928 zum Streik auf allen Werften an Ost- und Nordsee, an dem sich 42.000 Werftarbeiter beteiligten, von denen 26.599 organisiert waren. Ab 2. Oktober ruhte auf allen Werften die Arbeit.
Die gewerkschaftliche Zersplitterung kam während dieses Streik besonders deutlich zum Ausdruck.
Der Streik wurde erst nach 14 Wochen durch eine Schlichtung des Reichsarbeitsministers beendet. Die längst überfällige Arbeitszeitverkürzung auf 48 Stunden konnte immer noch nicht erreicht werden.
Am 30. Januar 1933 hatte der Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, die Nazis übernahmen an diesem Sonntag die Macht.
Was das bedeutete, merkte der Modelltischler Fritz Ring aus Lehe schon am Montagmorgen. Als er um 7 Uhr an seinem Arbeitsplatz beim Norddeutschen Lloyd stand, sagte sein Meister zu ihm: "Ring, Hitler ist Reichskanzler geworden, jetzt ist es mit dem Streiken aus!" Fritz Ring war, wie schon sein Vater, Gewerkschafter und Sozialdemokrat.
Während in Berlin die Kolonnen der SA bei Fackelschein durchs Brandenburger Tor zogen, versammelten sich in Bremerhaven im Gewerkschaftshaus "Eintracht" an der Deichstraße 55 dreihundert Männer der Schufo. Die Schufo war die Schutzformation des "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold", eine Verteidigungstruppe der SPD und der Gewerkschaften. Waffen hatte die Schufo in Bremerhaven nicht.
Die Männer in der "Eintracht" hatten sich mit Spaten ausgerüstet, weil sie in dieser Nacht einen Machtrausch der SA und die Besetzung des Gewerkschaftshauses erwarteten. Herbert Feldmann, damals 21 Jahre alt, war dabei. "Genossen, wer nicht will, der soll jetzt gehen", hatte der Leiter der Schufo, Anton Haupt, an diesem Abend gesagt. Keiner ging.
Der Reichsbanner hatte für den Angriff der SA einen Alarmplan ausgearbeitet. Friedrich Deppe von der Eisenbahngewerkschaft sollte mit Reichsbannerleuten den Jägerhof abriegeln, um Verstärkung für die SA aus Wurster Dörfern am Durchmarsch zu hindern. Das vereinbarte telefonische Alarmsignal kam nicht, der Angriff der SA blieb in dieser Nacht aus.
Die Schufo schützte nachts Konsum-Geschäfte vor randalierenden SA-Leuten; es kam zu Schlägereien, planmäßig eingesetzt wurde der Reichsbanner in Bremerhaven nicht mehr. "Wir diskutierten, was wir machen sollten - es war nichts mehr zu machen. Einmal standen wir zu zweit im Eingang der "Eintracht"," erinnert sich Georg Dörhage vom Reichsbanner, "da kam ein SA-Mann in Uniform vorbei. "Anpissen müßte man euch," sagte er und zog die Pistole. Wir standen da und sagten nichts."
Der Parteisekretär der SPD, Heinrich Kammerahl, mußte vor seinen Genossen in der Schufo eingestehen: "Wir können nichts mehr machen, wir können nur noch die Faust in der Tasche ballen." Und als die Polizei eine Wahlveranstaltung der SPD bei "Weiß" in Speckenbüttel (heute Union) auflöste, weil der Redner Bernhard Vogelsang in den Saal rief:" Als Adolf Hitler noch kein Deutscher war...", da stürzten die Reichsbannerleute auseinander, flüchteten aus den Fenstern. "Keiner hatte mehr Mut. Waffen gab es für uns nicht", beschreibt Ewald Deppe, der damals im Reichsbanner war, die Situation.
Die politischen Parteien waren zu einem aktiven Kampf gegen die neue Gewalt nicht gerüstet oder nicht bereit. Die KPD kämpfte gegen die parlamentarische Republik von Weimar und die Sozialdemokratie. Sie hatte in den letzten Jahren zwar die Illegalität geübt, war aber auf den brutalen Terror der Nazis nicht eingestellt. Die lokale SPD stand in ihrem Kampf auf dem politischen und propagandistischen Sektor allein; gewaltsame Alternativen zur politischen Auseinandersetzung hatte sie weder vorbereitet noch gewollt. Die bürgerlichen Kräfte traten zur Verteidigung der Republik nicht an; sie waren nur darauf bedacht, daß "die ordnungsgemäße Weiterführung der Verwaltung gewahrt bleibt" (Oberbürgermeister Beckè am 7.3.1933 vor dem Magistrat.)
Dabei hatte man die Gefahren durchaus kommen sehen.
Der Parole der Nazis "Die Nacht nach dem Siege gehört euch SA-Leute, sie wird die Nacht der langen Messer!" hatte das SPD-Organ "Vorwärts" 1932 auf einem Plakat in Bremerhaven entgegengesetzt: "Die wilden Männer vom Hakenkreuz bringen dieser blutrünstigen Parole gewiß wärmste Sympathie entgegen, aber so schnell geht es dann doch nicht! Schließlich sind wir ja auch noch da..."
Die Nacht der langen Messer kam schneller, als jener SPD- Abgeordnete gedacht haben mag, der vor der Reichstagswahl vom 5.3.1933 auf einer Parteiveranstaltung in Loxstedt zu Adolf Hitler ausrief: "Aber der Mann hat doch `n Eid auf die Verfassung geschworen."
Die Nacht der SA, des Nazi-Terrors, begann am Abend des 27. Februar 1933. Über Rundfunk, Telegraf und Nachrichtenagenturen lief die Meldung: "Der Reichstag brennt."
Hitler erklärte an der Brandstelle: "Das ist ein von Gott gegebenes Zeichen, niemand wird uns von nun daran hindern, die Kommunisten mit eiserner Faust zu vernichten."
Die Lokalnachrichten der Nordwestdeutschen Zeitung (NWZ) an den folgenden Tagen zeigen, daß Polizei und Verwaltung in Bremerhaven und nicht zögerten, gemeinsam mit der SA die Worte Hitlers in die Tat umzusetzen. Noch in der Nacht vom 27. zum 28. Februar durchsuchte die Polizei das Haus der "Norddeutschen Volksstimme" und beschlagnahmte "verschiedenes Material".
Und am Morgen des 28. Februar begannen die Hausdurchsuchungen bei "kommunistischen Funktionären und Parteigängern nach Waffen, Druckschriften, Flugschriften und Zersetzungsschriften hochverräterischen Inhalts". Die NWZ berichtete täglich über "Kommunistenverhaftungen in den Unterweserorten", geplante "Terrorakte der Kommunisten", "Verbot der SPD- und KPD-Presse in Preußen", "KPD-Bureaus in Bremerhaven geschlossen".
Die neuen Machthaber konnten dennoch nicht verhindern, daß am 3. März 1933, zwei Tage vor der Reichstagswahl, eine letzte große Demonstration von SPD und KPD gegen den Faschismus in Bremerhaven stattfand. Dazu aufgerufen hatte die "Eiserne Front", die seit Dezember 1931 Gewerkschaften, SPD, Arbeitersport und Reichsbanner zur Abwehr des Nationalsozialismus gebildet hatten: Zwei Nazis hatten einen Reichsbannermann am 28. Februar 1933 auf dem Markplatz niedergestochen.
Neuntausend Bremerhavener, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Mitglieder der Konsumvereine, der Reichsbanner mit Trommeln und Pfeifen, Kommunisten mit Schalmeienkapellen, marschierten in langem Zug von Bremerhaven nach Lehe. Zum letzten Mal hing Leni Ring die 3 m lange Fahne mit den drei Pfeilen der "Eisernen Front" aus dem Fenster. Auf dem Leher Neumarkt hielt der SPD-Parteisekretär und Reichsbannerführer Heinrich Kammerahl seine letzte große Rede gegen den Faschismus. "Mit dem Stimmzettel werden wir sie besiegen", rief er aus. Sein damaliger Fahrer, Franz Barya, meint 20.000 Menschen hätten ihm zugehört. Die SA ließ auf der Hafenstraße eine Gegendemonstration mit 109 Menschen aufmarschieren. Es kam zu Auseinandersetzungen, die Polizei griff ein. Nur Sozialdemokraten, Heinz Wenke, Fidel Spohler, Bernd Britzwein, Wilma Wagner, wurden später deswegen bestraft.
Die Demonstration vom 3. März 1933 war er erste und zugleich letzte Akt gemeinsamen öffentlichen Widerstandes von SPD und KPD. Es begann die Zeit der Angst und des Verbergens.
Die Verhaftungswelle nach dem Reichstagsbrand richtete sich in den Unterweserorten in erster Linie gegen die Mitglieder der KPD. Den Übergriffen der SA, die in Bremerhaven am 1.3.1933 als Hilfspolizei vereidigt wurde, waren die Kommunisten offenbar fast wehrlos ausgeliefert. Mit den Massenverhaftungen nach dem Reichstagsbrand im März und April 1933 versuchten SA und Polizei, die innere Organisation der KPD zu zerschlagen.
Am 3. März 1933 schloß die Polizei die KPD-Büros in Bremerhaven. Trotz oder gerade wegen aller dieser Maßnahmen wehte am 1. Mai 1933, als die Nazis ihren "Tag der nationalen Arbeit" mit Aufmärschen begingen, am Schornstein über dem Eisenbahnbetriebswerk in Lehe eine große rote Fahne mit Hammer und Sichel. Sie blieb dort mehrere Tage hängen, obwohl Steigeisen zum Kopf des Schornsteins führten. Eisenbahner hatten das Gerücht verbreitet, die obersten Stufen könnten angesägt sein...
Trotz der Massenverhaftungen bemühten sich einzelne Genossen, die Parteiorganisation und den Widerstand gegen die Nazis aufrechtzuerhalten. In einem Hochverratsverfahren vor dem Oberlandesgericht (OLG) Bremen wurden Willy Vogel und elf andere Kommunisten angeklagt, bis Juli 1933 durch "den Besitz und Vertrieb von Beitrags- und Unterstützungsmarken, Flugblättern und Broschüren", durch Versammlungen, auf denen Folkert Potrykus sprach, "den Wiederaufbau der illegalen Organisation der KPD bezweckt zu haben". Unter Vorsitz eines Dr. Roth verurteilte das Gericht Willy Vogel zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis.
Bei der Verhaftung von Willi Vogel fand die Staatspolizei Beitragsmarken für die KPD und die "Rote Hilfe" sowie Flugblätter und "illegale Schriften". "Als der Hauptkassierer der Partei verhaftet wurde", erzählt Willy Vogel, "übernahm ich seine Stellung. Sechs bis acht Unterkassierer hielten den Kontakt zu den einzelnen Genossen. Die Beitragsmarken und die Flugblätter brachte ein Kurier aus Bremen. Die Flugblätter haben wir tagsüber - nicht nachts, das wäre verdächtig gewesen - in die Briefkästen gesteckt. Wir hatten Angst; selbst den Genossen konnte man nicht mehr trauen. Heute hast Du einem Genossen noch die Hand gegeben und am nächsten Tag sahst du ihn in SA-Uniform. Ich dachte, das sind doch auch Arbeiter."
Willy Vogel wurde auf dem "Gespensterschiff" sonderbehandelt. "Der Gefängniswärter im Bremischen Amt hat geweint, als er mich später sah. Meine Frau durfte wegen der Verletzungen drei Wochen nicht zu mir."
Treffpunkt mit den Kurieren aus Bremen war u.a. der Kilometerstein 30 an der Bremer Chaussee. Dorthin fuhr man mit dem Fahrrad, um gesammelte Beiträge zu übergeben und Flugblätter und Beitragsmarken zu erhalten. "Am Anfang fuhren wir bis Bremen mit dem Rad", berichtet Hein Meyer, "um die Beiträge abzurechnen und um neues Material zu holen. Wir hatten immer ein Fischpaket als Tarnung dabei. Die Flugblätter haben wir dann am Schiffdorferdamm und in den Blocks in der Friedrich-Ebert-Straße am Bahndamm verteilt."
Hein Meyer, 1933 war er 30 Jahre alt, arbeitete als Fischarbeiter im Fischereihafen. "Der Schuppen, in dem ich arbeitete, war als "rote Bude" verschrien, drei oder vier Genossen arbeiteten dort." Noch 1985 wohnte Hein Meyer im Haus seiner Eltern, Am Kuhhamm 11, neben der Schiffdorfer Chaussee. Sein Vater war Lagerarbeiter "auf`m Konsum", beide waren erst bei der USPD und 1920 der KPD beigetreten. Die Dammer hatten eine eigene Ortsgruppe, 35 Männer, 10 Frauen. Sie trafen sich im Gasthof Cordes in der Veerenstraße, Kuriere aus Bremen konnten dort unverdächtig Kontakt aufnehmen.
In den Unterweserstädten hatte die KPD als Ersatz für den seit 1929 verbotenen "Rot-Frontkämpfer-Bund" (RFB) sog. "Häuserschutzstaffeln" und den "Roten Massenselbstschutz" gegründet; dazu gehörte in Bremerhaven auch die "Rote Marine", eine Gruppe, die nur aus Seeleuten bestand.
In einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 3.8.1934 gegen 79 kommunistische Angeklagte aus Bremerhaven "wegen Vorbereitung zum Hochverrat pp." werden die Aktivitäten des "Roten Massenselbstschutzes" dargestellt. Dieses Urteil ist eines der wenigen zeitgeschichtlichen Dokumente über KP-organisierten Widerstand in unserer Stadt am Anfang der Nazi-Zeit.
Danach soll eine große Zahl der Angeklagten an "militärischen Übungen" des "Roten Massenselbstschutzes" "in Uniform, schwarzes Hemd, roter Schlips", teilgenommen haben. Eine dieser Übungen fand am 18. Dezember 1932 "mit Generalstabskarten" an der Baggerkuhle in Langen statt, eine zweite "nach eingetretener Dunkelheit" am 19. Februar 1933 an der Pipinsburg. "Bei der zweiten Übung", so das OLG Hamm, "hatte die Rote Marine einen Berg besetzt, den die anderen Züge stürmen mußten. Hierbei wurden auch Leuchtraketen abgeschossen." Auf einer anderen Versammlung des verbotenen RFB hatte am 13. Februar 1933 am Bismarckturm der Gauleiter der KPD, Winter, zur Verhinderung eines SA-Propagandamarsches aufgerufen.
Zum Schutz gegen die SA oder zum Widerstand eingesetzt wurden der "Rote Massenselbstschutz" ebensowenig wie die wenigen Waffen, die einzelne Parteimitglieder offenbar organisiert und versteckt hatten. Die NWZ berichtete schon am 3.3.1933 im Zusammenhang mit "Kommunistenverhaftungen" von Waffenfunden im Laubengelände, am 29.3.1933 von Waffen, die bei Hausdurchsuchungen gefunden wurden. Im Urteil des OLG Hamm wird geschildert, daß die Polizei am 21.4.1933 Waffen in einer "mit Dachpappe umwickelten Kiste" in der Gartenbude des Maschinenschlossers Friedrich Schmidt ausgegraben habe: 4 Vogelbüchsen mit Munition, 2 Militärgewehre 71, 4 Karabiner 98 mit 100 Schuß, 2 Vorderladergewehre, 4 Sprengkörper, 4 Stangen Romperit-Sprengstoff, 4 Sprengkapseln, 4 Zündschnüre.
Liest man die Nachrichten in der damaligen Presse und die Urteile gegen Bremerhavener Kommunisten genau, so müssen den Nazi-Machthabern weit gefährlicher als Waffen die Solidarität der Parteimitglieder sowie das gesprochene und geschriebene Wort erschienen sein. Die ersten Angriffe der Nazis richteten sich gegen die Zeitungen, Flugblätter und Wahlplakate von SPD und KPD. Selbst unbedrucktes, "neues Papiermaterial" beschlagnahmten sie Ende März 1933 bei einem KP-Mitglied.
Den Verstecken von Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparaten widmete das Oberlandesgericht Hamm in seinem Urteil vom 3.8.1934 die größte Aufmerksamkeit; denn diese Geräte, in den Händen von Kommunisten, "waren geeignet, die umstürzlerischen Ziele der KPD zu fördern", und alles das war "Vorbereitung zum Hochverrat".
Gesine Schildknecht ging abends los "mit Pinsel und Pott, erzählt ihr Sohn Alfred. Ihr Mann, Ernst Schildknecht, seit 1920 Mitglied der KPD, war verhaftet. "Vater sitzt dafür, und dafür kämpfe ich weiter", sagte sie zu ihren Kindern. Ernst Schildknecht hatte die "Kleine Arbeiter-Zeitung" von Folkert Potrykus verteilt. Dafür erhielt er 1934 ein Jahr und fünf Monate Gefängnis. Nach seiner Entlassung hat er als Dreher bei Seebeck gearbeitet. 1937 wurde er erneut verhaftet. Er hatte lauthals seine Sympathie für den Kampf der spanischen Republik gegen die faschistischen Angreifer erklärt. Er wurde zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und kam danach "als unbelehrbar" ins KZ, zuerst nach Sachsenhausen, dann nach Buchenwald. Als seine Söhne von der Gestapo hörten, ihr Vater würde entlassen, wenn sie sich freiwillig zur Marine melden, gingen sie zur Marine - vergeblich. Ernst Schildknecht ist in Buchenwald verhungert. Am Tage nach seinem 58. Geburtstag erschien die Todesanzeige. In der es hieß: "Die Beisetzung wird noch bekanntgegeben." Die Familie wußte nicht, wann sie die Urne erhalten würde.
Als am 1. August 1933 in Hamburg das erste Todesurteil der Nazi-Justiz gegen vier Kommunisten vollstreckt wurde, zog Hein Meyer in der nächsten Nacht mit seinem Bruder Willy und mit Anton Schlüter los. Sie schrieben ihren Protest gegen das Urteil mit Ölfarbe an die Wand der Übelandzentrale Bürgerpark-Süd. "Vier Unschuldige der KPD in Altona hingerichtet! Rache!"
Am nächsten Morgen lasen es die Arbeiter, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit fuhren. Mittags hatte die SA die Parole mit Teer übermalt.
In den Tages- und Monatsmeldungen der "Staatspolizei für Reg.-Bez. Stade in Wesermünde" wird regelmäßig berichtet, daß "die kommunistischen Wühlereien" in den Betrieben von Seebeck und Achgelis weiter andauern.
Mit großer Beharrlichkeit bemühten sich die Mitglieder der KPD, durch das Herstellen und die Verbreitung von Flugblättern ihren Widerstand in die Öffentlichkeit zu tragen.
Der Höhepunkt dieser mutigen und gefahrvollen Propaganda-Arbeit war erreicht, als im August 1933 die "Kleine Arbeiter-Zeitung" in den Unterweserstädten "illegal" erschien. Sie berichtete über die wirtschaftliche Misere des NS-Regimes, über die Folterungen und den Terror der Nazi-Machthaber. Die Zeitung - drei Blätter im DIN-A4-Format - reichten sich die Arbeiter heimlich weiter, mit der Post gelangte sie anonym an Bremerhavener Bürger. Der Verfasser war Folkert Potrykus, ein 33jähriger Dreher aus Bremerhaven.
Ende der 20er Jahre, in der Zeit der großen Arbeitslosigkeit, brachte Potrykus täglich die "Arbeiter-Zeitung", das Organ der KPD, aus Bremen mit dem Zug nach Bremerhaven. Er begann als sog. Arbeiterkorrespondent, kleinere Artikel über Bremerhavener Ereignisse zu schreiben.
Die Arbeiterzeitung holte Potrykus als Redakteur nach Bremen, er erlebte Verbote und Beschlagnahmen der Arbeiter-Zeitung, wurde schon vor 1933 mit 26 Hochverratsverfahren wegen seiner Zeitungsartikel überzogen.
Am 4. Februar 1933 hielt Potrykus in Bremen im großen Saal der Central-Hallen eine Rede zum Gedenken an den 4. Februar 1919 (Kampf für die Räterepublik in Bremen) und ging "scharf auf die spannungsgeladene Gegenwart ein". Die Polizei schloss die Versammlung mit Gewalt. Gemeinsam mit Gewerkschaften, Konsumgenossenschaftlern und Reichsbannerleuten organisierte er im Gebiet des Focke-Museums in Bremen einen Roten Massenselbstschutz: "Wir bewachten Konsumläden, das Distriksbüro der SPD und verjagten Sabotage- und Schlägertrupps der SA."
Potrykus bekam von der Parteileitung den Auftrag, die durch die Massenverhaftungen unterbrochenen Kontakte der KPD im Bezirk Nordwest neu zu knüpfen. Er stellte zu den Arbeitern in Oldenburg, Emden und Wilhelmshaven wieder Verbindungen her, kam dann nach Bremerhaven.
Potrykus versuchte, den Widerstand zu organisieren, sprach auf Parteisitzungen, sorgte für die Beschaffung und Verteilung von Flugblättern. "Unsere illegale Gruppe wurde größer", heißt es in seinen Erinnerungen.
Folkert Potrykus wurde am 8.10.1933 von der Gestapo verhaftet.
Es war Verrat im Spiel.
Potrykus wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und anschließend ins KZ Esterwegen, später ins KZ Sachsenhausen. Am 1.2.1938 war Folkert Potrykus wieder Zuhause, als Krüppel, er mußte wegen Verletzungen, die ihm die Nazis in der Haft zugefügt hatten, zeitlebens ein Stahlkorsett tragen. Nach dem Kriege, 1946, gehörte Potrykus für die KPD der ersten Stadtvertretung Wesermündes, dem Stadtrat, an und später der Stadtverordnetenversammlung bis zu seinem Ausscheiden während der Legislaturperiode 1951 bis 1955.
Mit der Verhaftung von Folkert Potrykus erlosch zunächst der Widerstand der KPD in Bremerhaven. Die führenden und aktiven Genossen waren in Haft, wurden später verurteilt und verschwanden in den Zuchthäusern und KZ-Lagern des 3. Reiches.
Als Karl Salomon Anfang April 1935 aus der Haft entlassen wurde, wusste er was heißt, in den Gefängnissen der Nazis zu sitzen.
Am 1. März 1933 hatte die politische Polizei drei kommunistische Funktionäre in Haft genommen, darunter der kommunistische Stadtverordnete Salomon, der sich schon immer durch eine besonders hetzerische Tonart hervortat.
Karl Salomon erhielt sogleich nach seiner Entlassung von der Parteileitung in Bremen den Auftrag, die KPD in der Illegalität neu zu organisieren und den Kampf gegen die Nazis fortzusetzen.
Salomon stellte fest, daß es 1935 einen Zusammenhang unter den KP-Genossen nicht mehr gab, es wurde nur vereinzelt in Gruppen diskutiert. Verbindungen nach außen waren abgebrochen. Er stellte neue Kontakte unter den Bremerhavener Genossen zu Anton Kessler von der illegalen KPD in Bremen her, lieferte und bekam über Kuriere Informationen.
Ebenso wie bei der KPD wurden führende Funktionäre der SPD und der Gewerkschaften in den Monaten nach dem Reichstagsbrand von der Polizei verhaftet oder von den Nazis in Schutzhaft genommen. Schon in der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 hatte die Polizei die Räume der "Norddeutschen Volksstimme" am Hohenzollernring (heute Friedrich-Ebert-Straße 1) durchsucht. Am 28./29. März 1933 nahm die Kripo den Chefredakteur dieser Zeitung, Gerhard van Heukelum, gemeinsam mit dem Direktor der Ortskrankenkasse, Eckermanns, fest. Über die Durchsuchung in der "Norddeutschen Volksstimme" berichtet die NWZ:" Es wurden Schriftstücke gefunden, die auf eine planmäßige Bespitzelung der Polizei seitens gewisser SPD-Funktionäre hindeuten."
Van Heukelum hatte als "Leuchtturmwärter vom Roten Sand" Kolumnen geschrieben in denen er, informiert von sozialdemokratischen Polizeibeamten, die zunehmende Durchsetzung der Polizei mit Nazis und geheimen Spitzeln aufdeckte.
Bis zum Juni 1933 verhaftete die politische Polizei fast sämtliche führenden Sozialdemokraten und Gewerkschaftler, am 2. Mai 1933 u.a. Landgraf, Vogelsang, Seidel, Kammerahl, Menkens, Haltendorf, Kassebohm u.v.a. Am 22. März wurden Reichsbanner und Eiserne Front verboten, tags darauf durchsuchten Polizei und SA das Gewerkschaftshaus "Eintracht" in der Deichstraße. Den Betriebsräten und Betriebsobleuten wurde die Ausübung ihrer Tätigkeit untersagt. Am 2. Mai besetzten die Nazis alles Büros und Häuser der Gewerkschaften und übernahmen deren Vermögen.
Nach dem zweiten Weltkrieg hatte die britische Militärregierung am 15. September 1945 mit ihrer "Verordnung Nr. 10 - Politische Versammlungen" die Abhaltung politischer Versammlungen in ihrem Kontrollgebiet gestattet. Die "Bekanntmachung der Militärregierung vom 6. Oktober 1945" erlaubte dann die Gründung demokratischer politischer Parteien in der Stadt und im Landkreis Wesermünde.
Drei Tage nachdem die Militärregierung die Abhaltung politischer Versammlungen erlaubt hatte, trafen sich 40 Mitglieder der SPD am 19. September 1945, um, wie Gerhard van Heukelum sagte, "die Sozialdemokratische Partei hier neu entstehen zu lassen". Die offizielle Gründungs- und Eröffnungsversammlung der SPD fand darauf am 22. Oktober statt. Hier konnte van Heukelum den versammelten 50 Genossen - mehr waren nicht erlaubt - den Entwurf eines Parteiprogramms und einer Satzung vorlegen.
Die KPD hatte sich - überregional - als erste Partei nach Kriegsende am 11. Juni 1945 mit einem politischen Programm an die deutsche Öffentlichkeit gewandt. Sie erklärte darin, "dass der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre". Statt dessen käme es darauf an, "die Sache der demokratisierung Deutschlands, die Sache der bürgerlich-demokratischen Umbildung, die 1848 begonnen wurde, zu Ende zu führen".
In Bremerhaven-Wesermünde waren viele Mitglieder der KPD bereits bald nach Kriegsende und Monate vor der Wiedergründung ihrer Partei in der "Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus" aktiv tätig. Die "Antifa" stand mit der Stadtverwaltung in Verbindung, beschaffte Wohnungen und finanzielle Unterstützung für politisch Verfolgte. Die "Antifa", deren Tätigkeit auch bei einzelnen KP-Mitgliedern nicht unumstritten war, wurde Ende 1945 von der Militärregierung verboten, nachdem die Parteiführer der SPD, CDU und Demokratische Partei (später FDP) sich gegen sie ausgesprochen hatten. Beim Aufbau einer neuen Gewerkschaftsorganisation, der im Sommer 1945 begann, schalteten sich KP-Mitglieder, vor allem Folkert Potrykus, energisch und in heftiger Konkurrenz zu SPD-Leuten ein; in den Betriebsräten der Werften gewann die KPD schnell einen maßgeblichen Einfluss. Am 9. November 1945 genehmigte die Militärregierung die KPD für den Stadtkreis Wesermünde.
Am 31. März 1953 war das Lohnabkommen für die Werftarbeiter nach einer Dauer von nur 7 Monaten ausgelaufen. Die IG Metall forderte u.a. eine Erhöhung der Ecklöhne von 1,49 DM auf 1,57 DM pro Stunde, eine Erhöhung der Leistungszulage für Zeitlohnarbeiter, die tarifliche Regelung der Lehrlingsvergütung und die Anhebung der Angestelltengehälter um 7%.
Mit ihren Forderungen wollte die IGM die Arbeitnehmer an der durch die Wiederbelebung des Schiffbaus gesteigerten Produktionskapazität beteiligen. Im April lehnten die Arbeitgeber die Forderungen der Gewerkschaft kompromisslos ab.
Das Frühjahr 1953 stand für Bremerhaven unter der bangen Frage: Wird es auf den Werften Streik geben? Der letzte große Lohnstreik auf bremischen Seeschiffwerften lag mehr als 23 Jahre zurück; er hatte drei Monate gedauert, vom 1. Oktober 1928 bis zum 3. Januar 1929. Im Jahre 1953 beschäftigten die Werften in Bremerhaven etwa 6000 Arbeiter´: Seebeck 2700, der Technische Betrieb des Norddeutschen-Lloyd 1900, Rickmers 500, Unterweser 550 und Sieghold 140. Die Schichau Werft mit ihren 300 Arbeitnehmern war von dem drohenden Arbeitskampf nicht betroffen; als überwiegender Landbetrieb war sie kein Partner des gekündigten Tarifvertrages. Zusammen mit den Familien der Werftarbeiter und Angestellten und den Arbeitern der Zuliefererbetriebe drohte mehr als einem fünftel der 120.000 Bremerhavener Einwohner durch Streik wirtschaftliche Bedrängnis. Hinzu kam, dass schon im Vorfeld des sich abzeichnenden Arbeitskampfes die Werften Terminaufträge ablehnen mussten und damit ihre zukünftige Auslastung gefährdet war; die Arbeitgeber versäumten nicht, auf die Folgen "umfangreicher Arbeitnehmerentlassungen" hinzuweisen.
Am Samstag, dem 25. April 1953, traten 14.000 Arbeitnehmer im Lande Bremen in den Ausstand. Auf den Werften ruhte ab 10.00 Uhr die Arbeit, der Streik hatte begonnen. Für ihn hatten sich in einer Urabstimmung fast 92% der gewerkschaftlich organisierten Werftarbeiter ausgesprochen, nachdem kurz zuvor der Arbeitgeberverband der Metallindustrie öffentlich behauptet hatte, "der heutige Stundendurchschnittsverdienst eines gelernten Werftarbeiters beträgt etwa 1,80 DM". Diese auf statistische Zahlen gestützte Aussage hatte unter den Werftarbeitern, die einen anderen Verdienst auf ihren wöchentlichen Lohntüten lasen, zu einer "starken Erregung" geführt, wie die Nordsee-Zeitung berichtete. Die auf Vermittlung des Arbeitssenators Gerhard van Heukelum eingeleiteten Verhandlungen brachen die Tarifparteien nach 24 Std. ab. Die Werften hatten inzwischen Reperaturaufträge zurückgehen lassen; fast fertiggestellte Schiffe wurden nach England und Hamburg geschleppt; nur der schwedische Metallarbeiterverband hatte in einer Solidaritätserklärung zugesichert, auf schwedischen Werften sollten keine Schiffe repariert werden, die Bremer Werften während des Streiks verlassen hätten. Unmittelbar vor dem 1. Mai reagierten die Arbeitgeber auf den Ausstand. Gestützt auf den Metalltarifvertrag vom 27. Februar 1950 kündigten sie den streikenden Werftarbeitern die Arbeitsverhältnisse fristlos. Entsprechend stark war die Beteiligung, nicht nur der Gewerkschafter, sondern auch der gesamten Bevölkerung, an den Aufmärschen zum 1. Mai, die, begleitet von Schalmeienbläsern und Trommlern, auf dem Neumarkt in Geestemünde zur Abschlusskundgebung zusammentrafen. "Schaffende Bremerhavener, übt Solidarität mit den Werftarbeitern", hieß es auf den Transparenten.
Nach der ersten Streikwoche erhielten die gewerkschaftlich organisierten Werftarbeiter ihre Unterstützung ausgezahlt, 35 DM pro Arbeiter, für Ehefrauen und Kinder kamen Zuschläge hinzu, und außerdem gab es Lebensmittelgutscheine, die die Bremerhavener Geschäftsleute einlösten.
In der 3. und 4. Streikwocheschien sich mit demVorschlag Senator van Heukelums an die Tarifpartner, die Ecklöhne um 4 Pfennig zu erhöhen, eine Entspannung abzuzeichnen. Die Arbeitgeberseite unterbreitete auf der Grundlage dieses Vorschlages ein Angebot. Die Vertrauensmänner-Versammlung der IGM, die in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule zusammentrat, lehnte dieses Angebot einhellig ab. Die Fronten der Tarifparteien erstarrten, die Unruhe in Bremerhaven wuchs.
In ihrer Wochenendausgabe vom 16./17. Mai gab die Nordsee-Zeitung den bis dahin eingehaltenen Grundsatz strikt neutraler Berichterstattung auf. Mit der Überschrift "Lohnt es sich, um einen Pfennig noch zu streiten?" räumte sie einem anonymen Maschinenschlosser vom Technischen Betrieb des NDL drei Spalten für ein Plädoyer gegen eine Fortsetzung des Streiks ein. Eine Woche später, in der Pfingstausgabe, forderte die Zeitung das Streikende nochmals ein unter Hinweis auf die bedrohliche wirtschaftliche Lage und die Stimmung in der Bevölkerung. Während in Bremen und Bremerhaven ganze Schienenstränge von Güterwagen mit Werftmaterial besetzt waren und nicht entladen werden konnten, verhärteten sich in der 5. Streikwoche die Fronten abermals, bis schließlich Ende der 6. Woche auf Vorschlag des Bremer Senats ein Kompromiss erzielt wurde. Die Ecklöhne sollten um 5 Pfennige steigen und mehr als 14.000 Werftarbeiter binnen neun Tagen nach Streikende wieder eingestellt werden. Bei "Seebeck" am Leher Altmarkt und im Saal der "Femina" in Geestemünde diskutierten insgesamt 1700 Werftarbeiter die Vorschläge. Am Montag, dem 8. Juni 1953, konnte die Streikleitung der IG Metall der Öffentlichkeit mitteilen, dass nach dem Ergebnis der Urabstimmung der Streik nicht fortgesetzt wird. Am 9. Juni begann auf den Bremerhavener Werften wieder die Arbeit.
Quellen u.a.:
- Morgenstern-Museum Bremerhaven
- Rudold Herbig, Wirschaft-Arbeit-Streik-Aussperrung an der Unterweser, aus der Wirschafts-, Sozial- und Gewerkschaftsgeschichte zwischen 1827 bis 1953, RMG Werbe-und Verlagsgesellschaft mbH Wolframs-Eschenbach 1979
- Harry Gabcke u.a.: Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918, Band I-III, NWD-Verlag 1992
- Manfred Ernst: Der aufrechte Gang-Widerstand und Verweigerung in Bremerhaven 1933-1945, 1985 by Dr. Manfred Ernst, Gesamtherstellung Ditzen Druck und Verlags-GmbH
-Arbeiterbewegung in Bremerhaven von Peter Müller