Außertarifliche, kurz „AT“-Verträge in grundsätzlich tarifgebundenen Betrieben waren früher eine Form der besonderen Würdigung der Arbeit eines Angestellten in einer für das Unternehmen außergewöhnlich wichtigen Position.
Das Unternehmen erwartete besondere Loyalität von dem Mitarbeiter und war im Gegenzug bereit, dies mit besonderen Vergünstigungen einschließlich eines Gehalts deutlich oberhalb der höchsten Tarifgruppe zu honorieren. Der Mitarbeiter fühlte sich als Führungskraft und genoß Privilegien wie ein eigens Büro oder einen Firmenwagen.
Mittlerweile werden aber zunehmend bereits Berufsanfänger mit „AT-Verträgen“ konfrontiert. Hierbei wird dem Bewerber suggeriert, in seiner zukünftigen Position stehe er in einem besonderen Vertrauensverhältnis zur Unternehmensleitung. Daher werde er in den Kreis der „außertariflichen Angestellten“ aufgenommen. Dies schmeichelt natürlich dem Selbstwertgefühl und so merkt manch einer nicht, daß er mit der vermeintlichen Bevorzugung in Wirklichkeit zum Mitarbeiter zweiter Klasse degradiert wird.
Zum einen beginnen fast alle Hochschulabgänger im Heer der technischen Sachbearbeiter. Und auch ihr AT-Vertrag beschert ihnen in aller Regel nicht ein Gehalt oberhalb der höchsten Tarifgruppe, sondern eher im unteren Mittelfeld. Zum Andern müssen sie mit einem AT-Vertrag meist auf eine ganze Reihe Vergünstigungen verzichten, beispielsweise die 35-Stunden-Woche als Vertragsbasis, Bezahlung von Zuschläge bei Überstunden, Nacht- und Wochenendarbeit, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Nicht selten findet sich auch noch ein Passus wie „mit dem Gehalt sind alle Überstunden abgegolten“.
Und als wäre dies alles noch nicht genug, versuchen manche Personalchefs ihre AT-Mitarbeiter in Betriebsvereinbarungen von fortschrittlichen Arbeitszeitregelungen wie Gleitzeit auszunehmen. Oder sie gestalten Rahmenbedingungen so, daß AT-Mitarbeiter Gleitzeitkonten de facto auf- aber nie wieder abbauen können.
Insgesamt sind ausufernde AT-Verträge als Einstieg in den Ausstieg aus den Tarifverträgen zu sehen. Erst werden die Angestellten durch die Hintertür herauskomplimentiert, dann die Arbeiter weichgeklopft und zum Schluß tritt das Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband aus.