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Verwaltungsstelle Bremerhaven

letzte Änderung am Sonntag, den 26. Oktober 2008


Studis und Gewerkschaften!





Viele Akademiker lernen Gewerkschaften erst im Berufsleben zu schätzen - warum so lange warten?

Ein Freund der an der Hochschule in Bremerhaven studiert, erzählte mir vor kurzem, dass er folgenden Dialog zwischen zwei Studis auf dem Campus verfolgen konnte:

Studi 1: “Gewerkschaften? Damit habe ich als Student ja nix zu tun. Die kümmern sich ja nur um Tarifverträge und so.“
Studi2: “Naja, irgendwie wichtig sind die Gewerkschaften ja schon.“

Sicherlich werden – zumindest nach einigem Nachdenken – die meisten Leute der Aussage zustimmen, daß Gewerkschaften „irgendwie wichtig“ sind. 30 Urlaubstage im Jahr wären ohne Gewerkschaften ebenso Essig (und damit vielleicht der Herbsturlaub auf Ibiza) wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (Krank geworden? Halt Pech gehabt, wenn Du trotzdem Geld ausgeben mußt für Deine Miete, Deine Lebensmittel etc. pp.) oder Kündigungsschutz (Zum nächsten Ersten bist Du draußen! Kind in der Schule in Deinem bisherigen Wohnort? Familiäre Bindungen? Ist halt Dein Problem!).

Kurz: eine soziale Marktwirtschaft kann ohne durchsetzungsfähige Gewerkschaften nicht funktionieren – sie sind also „irgendwie wichtig“ – klar!
„Ich handele mein Gehalt ohnehin selber aus – wozu brauche ich also einen Tarifvertrag?“. Eine solche oder ähnliche Auffassung findet man häufig bei jungen Akademikern vor Ihrem Berufseinstieg. Weniger bewusst ist ihnen, auf welcher Basis sie denn in dieses „Verkaufsgespräch“ gehen. Wodurch wird denn der marktübliche Preis für die eigene Arbeitskraft festgelegt?

Wenn man sich beispielsweise beim vdi oder im Staufenbiel die Statistiken über die derzeit üblichen Einstiegsgehälter bei Maschinenbau- oder Elektroingenieuren ansieht, so kann man feststellen, daß es – trotz der derzeit rosigen Arbeitsmarktlage in diesen Berufen – tatsächlich noch Leute gibt, die sich für ein Monatsgehalt von 5000 DM anheuern lassen. Ein Vergleich mit den marktüblichen Gehältern könnte hier schon ein Blick in die Tariftabellen der IG Metall verschaffen.



Aber auch unter denen, die sich beim Thema „Preis“ (Gehalt) vom „Verkaufsprofi“ Personalchef etwas weniger über den Tisch ziehen lassen, stellen sich häufig noch ein paar andere Fragen. Wie sieht es denn mit sonstigen Klauseln im Arbeitsvertrag aus? Mit dem viel zitierten Kleingedruckten? Mit der verkauften „Warenmenge“ (=Arbeitszeit)? Welche Fußangeln gibt es denn in einem solchen Vertragswerk? Was kann ich unterschreiben, worauf muß ich bestehen? Und es gibt da weitaus mehr zu regeln, als der Laie vielleicht denken könnte – Tarifverträge sind ja nicht umsonst so dick.

In diesem Dschungel findet man sich als – seien wir doch einmal ehrlich – ziemlich „grüner“ Hochschulabsolvent gegenüber einem Personalprofi schnell in der schwachen Position wieder. Schnell wird ein klitzekleines Detail in die Verhandlung eingeworfen, von dem man keine Ahnung hat, auf das man nicht vorbereitet ist und – schwupps - hat man schon die erste Kröte im eigenen Arbeitsvertrag geschluckt.

In einer solchen Situation ist es also nicht schlecht, wenn man ein Netzwerk mit Leuten hinter sich hat, die genauso Profi sind wie ein Personalverantwortlicher. Die sich mit jedem Detail des Arbeitsmarktes auskennen und zum Thema Arbeitsvertrag schon hinter jedem Busch gesessen haben – eine Gewerkschaft ist da sicher die erste Adresse. Es hat also durchaus seine Vorteile, als Gewerkschaftsmitglied auf das vorhandene Know-How dort zurückgreifen zu können. Sei es nun – im Falle eines tariflichen Arbeitsvertrages - daß die Gewerkschaft es dem jungen Akademiker aus den Füßen nimmt, jedes Detail im Kleingedruckten zu verhandeln. Oder sei es – im Falle eines außertariflichen Arbeitsvertrages – daß man sich als Berufseinsteiger auseinander setzen lassen kann, auf welche Details man besonders achten muß und was beliebte Tricks und Kniffe sind, mit denen man rechnen sollte.

Ich möchte also unseren beiden Studis vom Anfang eine dritte These zum Thema Studis und Gewerkschaften entgegen stellen:
„Warum sollte ich mir als Student die Vorteile einer Gewerkschaftsmitgliedschaft durch die Lappen gehen lassen?“





Gestaltung des Arbeitsvertrages


Wenn ein "Prof" für Arbeitsrecht Deine Verwandschaft ziert, brauchst Du die IG Metall vielleicht (noch) nicht. Denn er wird Dir aus seiner langen Berufserfahrung genügend Fälle nennen, in denen der Start in den Beruf zum "Fehlstart" wurde. weil die Vertragsgestaltung für außertarifliche Angestellte ihre Tücken hat...

Wenn Du Dich aber eher am Sprichwort "Gutes Recht braucht gute Hilfe" orientierst, dann bist Du bei der IG Metall genau richtig: Die meisten unserer studentischen Mitglieder nutzen alle Chancen, sich auf die Vertragsverhandlungen mit potentiellen Arbeitgebern sorgfältig vorzubereiten. Und die Beratung bei der IG Metall ist besonders kompetent, weil hier erfahrene Praktiker Rede und Antwort stehen.

Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und das Gefühl, über den Tisch gezogen worden zu sein, sind eine schlechte berufliche Ausgangsbasis. Hier einen kurzen Überblick über die wichtigsten Fragen, die Du unbedingt schon im Vorstellungsgespräch klären solltest:


Inhalt der Tätigkeit

  • Tätigkeitsschutz/inhaltliche Garantien

  • Beschränkungen des Direktionsrechts

  • Veränderungen in der betrieblichen Hierarchie

  • Definition und Entziehung von Kompetenzen

  • Prokura/Tätigkeit als Geschäftsführer



  • Vergütung
  • höchstes Tarifgehalt/AT-Gehalt

  • Sachbezüge

  • Beteiligungen/Tantiemen

  • Anpassungs-/Abfindungsregelungen

  • Bezahlung während möglicher Rufbereitschaft im Urlaub



  • Arbeitszeiten/Urlaub


    Beendigung der Tätigkeit
  • Befristung des Arbeitsverhältnisses

  • Kündigungsfristen

  • Freistellung nach Kündigung

  • Abfindung



  • Wettbewerbs- und Verschwiegenheitsklauseln/Erfindungen


    Eigenschaft als leitender Angestellter
  • Inhalt und Zweck von § 5 Abs. 3 und 4 Betriebsverfassungsgesetz

  • Definition des leitenden Angestellten

  • leitende Angestellte und Betriebsrat

  • Insiderregelungen





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