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Wiederaufbau der Afghan Textile Company (ATC)
3. HISTORIE UND FRÜHERE ZUSAMMENARBEIT

Der geschichtliche Verlauf der ATC ist zu einem späteren Zeitpunkt im Detail noch zu- sammenzustellen und in Einzelheiten zu erforschen. Die Auswirkungen des langjährigen Krieges haben auch hier schwierige Voraussetzungen geschaffen. Im derzeitigen Hauptbüro versprach man mir, die noch vorhandenen Dokumente zu sammeln.

Zwischenzeitlich kann eine Aufstellung von Herrn Amin als Anhalt dienen, der aus dem Gedächtnis Folgendes zusammenstellte:

Die ATC wurde vom damaligen Präsidenten der Banke Milli Afghan und späterem Wirtschafts- und Finanzminister ABDUL MAJID SABULI 1929 (?) gegründet. Banke Milli und Herr Sabuli, sowie Kaufleute aus Kabul, Kandahar und Herat haben sich bei der ATC finanziell beteiligt und Aktien erworben.
Gemäss eines Regierungsbeschlusses war die Auflage, daß alle Karakul-Fell-Exportteure pro Fell 5 Afghani ATC-Aktien erwerben, (jährlicher Karakulexport 1 – 1,5 Mill. Stück) dies dauerte einige Jahre an und alle Karakulexporteure wurden ATC-Aktionäre und das ATC Anfangskapital als Aktiengesellschaft (AG) war gesichert.
BMA-Kabul blieb aber Hauptaktionär der ATC und bestimmte die Geschäftspolitik der ATC mit ca. 6000 Aktionären. (Jährliche Karakulexporte noch durchschnittlich 1,5 Mill. Stck).
ATC hatte eine kleine staatseigene Textilfabrik in Jebel-Seraj gekauft und betriebsfertig gemacht. Gleichzeitig die Errichtung einer Textilfabrik in Pule Chumri mit 15.000 Spindeln und 550 Webstühle mit Wasserkraftanlage sowie Sozialwohnungen (Fabrikwohnungen, Krankenhaus, Klub und Gästehaus usw.) geplant und errichtet. Die Textilmaschinen wurden aus England und die Wasserkraftanlage aus Deutschland gekauft.
Gleichzeitig wurde mit Baumwollanbau in Kundus und Baghlan-Provinzen begonnen und eine Baumwollentkörnungsanlage (Ginnerei) aus England gekauft. Später wurden auch eine Speiseölanlage und Seifenproduktionsanlage errichtet. Die Fabrikanlagen in Kunduz wurden gemäss Regierungsbeschluss 1954 von der ATC getrennt und als Spinzar-Company benannt, sowie weitere Investitionen durch die Regierung vorgenommen. Somit gehörte Spinzar-Company 60% zum Staat und 40% zur ATC.
Die Produktion der Textilfabrik Pule Chumri betrug 12 Mill. Meter pro Jahr und war ausschließlich Rohware für den Inlandsbedarf. Produktionsbeginn in Pule Chumri war ca. 1921 / 22 (?). 1950 wurde die Produktion der Textilfabrik Pule Chumri durch Einkauf von Spinnerei und Webstühlen aus Deutschland auf 20 Mill. m/Jahr erhöht und 1967 durch neue Webstühle aus UdSSR erweitert..
1953 wurde mit der Planung und Errichtung der Textilfabrik Gulbahar (Spinnerei, Weberei und Ausrüstung mit Nebenanlagen sowie Bau- und Sozialabteilungen) begonnen und 1959 in Betrieb genommen. In den Jahren 1972/73 wurde die Spinnerei mit (Rietermaschinen CH) und Weberei (russische Webstühle) erweitert und 1976/77 neue Ausrüstungsmaschinen aus Holland und BRD gekauft aber die Montage erfolgte wegen des Einmarsches der UdSSR-Truppen leider nicht und die Maschinen liegen in Kisten verpackt auf dem Fabrikgelände (immer noch ??). Die maximale Produktionskapazität Gulbahar war 44 Mill. Meter Rohware pro Jahr und 64 Mill. Meter ausgerüstete Ware (die Rohware aus Pule Chumri und Jebel Saraj wurde in Gulbahar ausgerüstet).
Die Produktion der ATC bestand aus gebleichter, gefärbter und bedruckter Baumwoll- und Zellwollgewebe, sowie Deko-Stoffe, B-woll- und Wolldecken, Uniform-Stoffe, sowie Zeltstoffe für das Militär. Alle o.a. Produkte waren für Inlandverbrauch vorgesehen. Zwischen 1969-72 wurde einige Millionen Meter Rohware nach BRD und Japan exportiert. 1972 wurde auf Regierungsbeschluss wegen Inlandsnachfrage die Ausfuhr der Textilien unterbunden. ATC hat auch die Holzverarbeitungsbetriebe sowie Metallwerkstatt in Jangalak/Kabul errichtet, die später gemäß Regierungsbeschluss von ATC getrennt und nach weitere Investitionen seitens der Regierung als selbständiges Unternehmen (AG) unter dem Namen „AFGHAN-MÖBEL“ und „Industrie-Werk Jangalak“ fungierte. Die ATC war mit 40% an beiden Gesellschaften als Aktionär beteiligt und 60% des Kapitals gehörte dem Finanzministerium.
Die ATC hat für die Finanzierung ihrer Projekte neben inländischen Bankkrediten einen 30 Mill. DM Kredit von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, Frankfurt) in 1958 mit 15-jähriger Laufzeit in Anspruch genommen und alle inländischen und KfW-Kredite termingerecht zurückgezahlt.
Das ATC-Kapital betrug damals (1972) 1.200 Mill. Afghani plus ca. 300 Mill. Afghani Reserven. (damals war 1 $ US ca. 40 – 45 Afghani). ATC-Betriebe liefen bis zur Machtübernahme der Kommunisten mit Vollkapazität und produzierten jährlich 64 Mill. Meter Ware. Jährliche Bilanzen waren positiv und verteilte ATC entsprechend des jeweiligen Jahresgewinns jährlich 6 – 10 % Dividende an die Aktionäre. Ebenfalls wurde für die Arbeiter und Angestellten 1 – 2 Monatsgehälter als Prämie bezahlt. Weiterhin wurden 5% des Jahresgewinns an Arbeiter und 2% des Jahresgewinns an Angestellte bezahlt.
ATC war bis 1973/74 eine private Aktiengesellschaft. Die Staatsbeteiligung durch „de Afghanistan Bank“ und andere staatliche Organisationen war ca. 10% des Kapitals. Durch die Verstaatlichung der Banken unter dem Daud-Regime gingen die Aktien der Banke Milli an den Staat über und somit gehörte dann die Aktien-Mehrheit der ATC, dem afghanischen Staat (Finanzministerium und Afghanistan Bank).
Während der Khalk und Partscham Regime (Volkspartei) wurden die privaten Textilbetriebe wie „Kabul-Textil Mill“, „OMAID-Textil“ und Magsoudi-Spinning-Mill“ gegen deren Kreditschulden und Zahlungsunfähigkeit vom Staat übernommen und der ATC angegliedert. Die Fabriken wurden bewertet und als Staatsaktien bei ATC gebucht.
1978 betrug die Belegschaft der ATC in Gulbahar, Pule Chumri, Jebel Saraj, Kabul und Verkaufsfilialen in den Provinzen ca. 12.000 Beschäftigte. Die Belegschaft war überwiegend männlich. Nur in Pule Chumri waren einige Frauen als Arbeiterinnen in der Fabrik tätig. Sonst waren Frauen nur in Büros und Krankenhäusern der ATC beschäftigt. Das damalige Durchschnittsalter der Belegschaft der ATC würde ich auf ca. 35 Jahre schätzen.
Die ATC besaß eine gute Bauabteilung mit neuzeitlichen Baumaschinen und Baupersonal in Gulbahar, die alle Reparaturen im Betrieb und den Wohnsiedlungen sowie Neubauten der ATC akzeptabel durchführte.
In Gulbahar wurden Bausteine, gebrannte Ziegel sowie Kalk hergestellt. Kfz- und mechanische Werkstätten standen in Gulbahar und Pule Chumri zur Verfügung. In Pule Chumri arbeitete eine kleine Gießerei.


ATC Entscheidungsorgane waren wie folgt:


Aktionärs-Versammlung Tagung 1 x jährlich)

(NASAR)
Aufsichtsrat Direktionsrat Tagung 1 x monatlich und bei Bedarf)



Exekutiv Manager
Präsident
In Kabul


Leitung Leitung Leitung
Gulbahar Pule Chumri Verkaufsabteilung


Werk Jebel Saraj


Im späteren Verlauf hatte der DED von 1966 bis 1980 insgesamt 27 Entwicklungshelfer an der ATC in Gulbahar, die in der beruflichen Ausbildung (Mechanik, Elektrik, Textiltechnik) sowie in dem Werkskrankenhaus und medizinisch-technischen Labor beschäftigt waren.

Die von der GAWI (Vorläufer der GTZ) betreute Technische Schule in Kabul stellte über längeren Zeitraum Technische Lehrer ab, die in Gulbahar Fachkurse und Soderschulungen für Management durchführten. Hier sind besonderes die Herren Lang und M. Maier zu nennen.


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