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7. HAUPTBÜRO DER ATC IN KABUL |
Das Hauptbüro der ATC wurde nach den in der Stadt erfolgten Kampfhandlungen und den damit verbundenen schweren Beschädigungen des früheren Gebäudes an der Haupt-kreuzung der Jademaiwand in den Stadtteil Taimani verlegt.
Das Gesamtareal ist direkt in eine umliegende Wohnbebauung integriert, hier besteht z.T. noch traditionelle Bauweise mit Lehmmaterial. Eine in der Mitte des Grundstücks bestehende Halle ist durch Kriegseinwirkung beschädigt und nahezu gänzlich eingestürzt. Alle anderen Gebäude sind intakt, haben Wasser und Stromversorgung.
Dort befand sich eine kleine Weberei, die heute noch mit Einschränkungen in Betrieb ist. Es sind insgesamt 126 Webstühle vorhanden, davon 6 defekt. Diese werden für die Verwendung von Ersatzteilen belassen. Weitere benötigte Ersatzteile werden auch im Werk Pule chumri nachgemacht. Als Rohmaterial wird nur unbehandelte Baumwolle verwendet die schon in Spulenform aus Pule chumri geliefert wird. In einem Nebengebäude steht eine Anlage die Umspularbeiten für die benötigte Größe durchführt. In diesem Produktionsteil werden ca. 65 Arbeiter beschäftigt, es sind auch einige Frauen darunter.
In einer Nebenhalle steht eine Spritzgussmaschine die mit vorgeschaltetem Extruder Granulat für eine Produktion von Plastikgießkannen verarbeitet. Das Granulat wird in hohem Prozentsatz auch aus geschredderten Alt-Plastikteilen hergestellt. Diese Anlage beweist die angepasste Findigkeit der Einheimischen unter rascher Berücksichtigung der Markterfordernisse.
Die Gesamtverwaltung der ATC befindet sich in 3-4 kleinen Büros in dem oberen Stockwerk dieser Liegenschaft. Die Platzverhältnisse sind sehr beengt, vorhandene Einrichtung genügt nur den allereinfachsten Erfordernissen, insgesamt zwei vorhandene Schreibmaschinen (Breitwagen, Farsi-Dari) bilden den gesamten Bestand an Bürogeräten. Organisations- und Verbrauchsmaterialien fehlen oder sind in geringster Menge und z.T. nicht ausreichender Qualität vorhanden.
Obwohl ein Organigramm der Gesamtstruktur ATC vorhanden ist, werden Routinearbeiten, längerfristige Planungen und das Tagesgeschäft in nahezu kollektiver Gesprächsabgleichung unter den Führungskräften durchgeführt. Hierbei sind die recht zahlreichen Besucher und Nachfragen von Beschäftigten sehr störend und ein kontinuierliches, reibungsloses Arbeiten nahezu unmöglich.
Die Durchführung von Verwaltungs- und Organisationsarbeiten sowie Buchhaltung und Kostenrechnung mit den heute gängigen Mitteln der modernen EDV sind zwar in Ansätzen bekannt, jedoch hat bisher das Fehlen von dafür notwendigen Finanzmitteln eine Überlegung dahingehend ausgeschlossen. Ein weiterer Hinderungsfaktor sind nicht vorhandene Kenntnisse im Umgang mit der Hard- und Software. Hier wäre zunächst bei den Bedienern der vorhandenen Schreibmaschinen ein erster Einstieg mit einem Textverarbeitungsprogramm notwendig. Darüber hinaus sollte jeder Beschäftigte in exponierter Stellung einen Einführungskurs in EDV besuchen. Teilweise werden diese schon von Hardware-Lieferanten in Kabul angeboten. Öffentliche Einrichtungen sollen in Kürze hier zusätzliche Möglichkeiten bereitstellen.
Weiterhin ist die Unterstützung bei dem Erlernen von Fremdsprachen notwendig. Obwohl die Ebene der Führungskräfte Deutschkenntnisse hat und z.T. recht passabel anwenden kann, ist gerade hier der Wunsch nach Fortbildung sehr stark. Nachdem recht bald das Goethe-Institut in Kabul seinen Betrieb wieder aufgenommen haben wird, sollen dort Sprachkurse belegt werden. Das Erlernen der deutschen Sprache wird als vorrangig angesehen.
Das Fehlen einer zuverlässigen Telekommunikation schließt ein Zusammenarbeiten schon sowohl innerhalb des Anwesens aber auch darüber hinaus in der Stadt gänzlich aus. Kommunikation mit anderen Teilen der ATC sind nur mit aufwendigen Reisen dorthin möglich. Dies hatte sich während des Aufenthaltes des Berichterstatters geändert, als ein Telefon vorhanden war das später auch freigeschaltet wurde. Die Zuverlässigkeit der (analogen) Verbindungen sind jedoch im Stadtbereich nicht immer gegeben.
Die Überwachung der Anwesenheits- und Arbeitszeit wird in einem Unterschriftsbuch dokumentiert. Es wurde mir gesagt, dass Lohn- und Gehaltszahlungen bereits schon seit langer Zeit (mit Sicherheit viele Monate) ausgeblieben sind. Kürzlich wurde in beschränktem Umfang eine Zahlung aus Mitteln der internationalen Gebergemeinschaft (über das zuständige Ministerium) durchgeführt.
Herr Ghiasi erklärte mir bei vielen Gelegenheiten, dass der Gesamtbetrieb immer nur mit geringsten Barmitteln aufrecht erhalten werden kann. Dabei wird jede erdenkliche Möglichkeit mit berücksichtigt. Ein Verkauf von Stoff aus der eigenen Produktion ist in einem erheblichen Mass von der Höhe des Einkaufes der Rohbaumwolle abhängig. Diese Kostenverhältnisse kann jeder Beschäftigte an einem Webstuhl leicht selbst errechnen. Derzeit ist das Ergebnis nahe „+/-0“ !
Hier sind recht rasch die gängigen Merkmale einer verläßlichen Kostenrechnung einzuführen und mit noch durchzuführenden Markterhebungen abzugleichen.
Mit der derzeitigen Ausstattung an Fachwissen und Verwaltungskenntnissen erscheint es schwierig, einen geordneten Aufbau der Gesellschaft durchführen zu können. Hier muss eine geeignete Ablauforganisation eingeführt werden, Zuständigkeiten und Arbeitsbereiche definiert und abgegrenzt werden, in sinnvoller Weise Arbeitsplatzbeschreibungen erstellt, eingerichtet und nachkontrolliert werden, die Gesamthierarchie mit mehr Arbeitsverantwortung der Beteiligten versehen werden. Dies ist auch ein Wunsch von Herrn Ghiasi, der jedoch damit allein an physische Grenzen stößt.
Es bestand schon länger der Wunsch, Unterstützung von deutschen, öffentlichen Stellen zum Aufbau der Gesellschaft zu erhalten. Ein erster Kontakt war ein Brief an den früheren Technischen Leiter, Herrn Mohmand, mit der Bitte um Äußerung seiner Meinung. Dass dieser erste Kontakt zu einer raschen Präsenz des Berichterstatters führte, war für die Führungskräfte sehr überraschend und erfreulich. In vielen Einzelgesprächen und gemeinsamen Überlegungen wurden zwei Anträge an den DED und die GTZ formuliert und über die offiziellen Stellen auf den Weg gebracht. Diese Präsenz der deutschen Fachkräfte ist unerläßlich, um in einigen Bereichen einen Aufbau überhaupt ermöglichen zu können. Von dem Beginn dieser Einsätze ist jeder weitere Ablauf von Aktivität in der ATC abhängig.
Es ist beabsichtigt, an der früheren Stelle das Hauptbüro der Gesellschaft wieder aufzubauen jedoch erfordert dies den Einsatz von erheblichen Finanzmitteln die erst an nachrangiger Stelle zur Verfügung stehen werden. Primär ist die Aufnahme von der Textilproduktion in Gulbahar und die Verbesserung und Erweiterung in Pule chumri vorgesehen. |
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