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Verwaltungsstellen Kiel und Neumünster

Redaktion: Reiner Sielaff

Die Ereignisse bei CAT in Kiel

Die Ereignisse:
Tarifvertrag sichert Standort!!
Vierte Zusammenkunft zum „Kostensparpaket“
Kostensparprogramm: Harte Einschnitte geplant!
Tarifvertrag sichert den Standort Kiel-Friedrichsort
Motorenmontage bleibt: Kiel soll nicht nur die Komponenten (z.B. Zylinderköpfe, Pleuelstangen) fertigen.

Kiel (KN) - Kiel – Ohne Stellenabbau geht es auch bei der Caterpillar Motoren GmbH nicht: Das Unternehmen wird 100 seiner 1100 Arbeitsplätze in Kiel abbauen.

Leuchtturm Friedrichsort

Gleichzeitig aber gelang es Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall, ein umfassendes Konzept auszuarbeiten, dass dem Standort eine Perspektive für die Zukunft gibt. Kern des Interessenausgleiches/Sozialplanes, der gleichzeitig auch als Tarifvertrag vereinbart wurde: eine Beschäftigungsgarantie für die kommenden zwei Jahre mit der Option der Verlängerung um zwölf Monate sowie die Verkürzung der Arbeitszeit um vier auf 31 Stunden ohne Lohnausgleich.


Gestern wurde das Paket den Mitarbeitern erläutert. Insgesamt zeigten sich beide Seiten zufrieden. "Es geht auch anders", kommentierte Kiels IG-Metall-Chef Wolfgang Mädel unter Verweis auf die Heidelberger Druckmaschinen AG, wo die Auseinandersetzung um den Stellenabbau nun schon fünf Monate andauert. Für Mädel ist die Einigung aber "auch ein Signal in Richtung HDW", wo ebenfalls über Stellenabbau (750) verhandelt wird. Bei Caterpillar hätten es die Beschäftigten durch Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich geschafft, die Zahl der abzubauenden Stellen so klein wie möglich zu halten. Die 100, die es trifft, sollen zunächst in eine Transfergesellschaft wechseln, um dann nach zwei Jahren entweder in den Vorruhestand zu gehen oder aber ein Jahr lang beruflich weiterqualifiziert zu werden.

Sie alle erhalten eine Abfindung, die Vorruheständler außerdem einen Ausgleich für den Rentenverlust.
Die Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung sind auf zwei Jahre begrenzt, sie können um ein weiteres Jahr verlängert werden. Sie sind nicht starr, sondern sehen vor, dass das Unternehmen je nach Auftragslage die Arbeitzeit verändern kann. So ist es möglich, dass die Bandbreite der individuellen Arbeitszeit zwischen 28 und 40 Stunden liegen kann. Und alle sechs Monate wird dann abgerechnet: Lag die durchschnittliche Arbeitszeit über 31 Stunden je Woche werden die "Überstunden" ausgezahlt, lag sie darunter, wird das erfasst und später verrechnet. Angestrebt wird eine Vier-Tage-Woche.

"Wir haben unkonventionelle und moderne Lösungen gefunden", lobte Oswald Schoeffel, der für den Bereich Personal zuständige Geschäftsführer. Damit habe das Werk gute Chancen, profitabel zu arbeiten. Schon 2003 rechnet Schoeffel wieder mit schwarzen Zahlen, 2004 aber würden die kostensparenden Elemente voll zum Tragen kommen. Die Betriebsratsvorsitzende Annegret Weiß sagte, angesichts der allgemein schlechten Lage sei besonders die Beschäftigungsgarantie hervorzuheben.

Besonders lag ihr auch die Frage der Ausbildung am herzen. Caterpillar wollte sie auslagern, wird sich nun aber an einer Ausbildungs GmbH beteiligen, an der sich auch andere Betriebe beteiligen sollen. Über Kürzungen übertariflicher Zulagen wird weiterverhandelt, die für den 1. Juni anstehende Lohn- und Gehaltserhöhung wird gegen übertarifliche Zulagen verrechnet.

Jörn Genoux

Quelle: Kieler Nachrichten vom 27.03.2003



Kommentar (KN - 27.03.03) - Zum Kompromiss bei Caterpillar – Von Jörn Genoux

Hoffnung ist angebracht

Wenn ein Unternehmen 100 Stellen abbauen muss, dann ist das alles andere als eine gute Nachricht. Wenn aber Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall innerhalb weniger Wochen auf die schlechte wirtschaftliche Lage reagieren und ein Paket von Maßnahmen schnürt, dass beispielhaft ist für Deutschland, dann ist das höchst bemerkenswert. Caterpillar in Kiel reagiert eben nicht nur mit Stellenabbau. Und die Mutter in den USA registriert nicht nur wohlwollend, sondern – wie zu hören ist – mit sehr großem Interesse, wie in Kiel innovative Konzepte entwickelt werden.
Dieser Kompromiss verlangt beiden Seiten viel ab. Die Geschäftsführung, die noch im Dezember verkündet hatte: "Unser Einsparziel muss erreicht werden!", muss (und kann) damit leben, dass dieses Ziel (13 Millionen Euro allein im Personalbereich) nicht erreicht worden ist. Dafür aber ist sie künftig in der Lage, auf Produktionsspitzen und -täler flexibel und kurzfristig zu reagieren. Gewerkschaft und Betriebsrat müssen den Mitarbeitern vermitteln, dass sich eine Arbeitzeitverkürzung ohne Lohnausgleich lohnt, die eine Kürzung der Einkommen um rund zehn Prozent bedeutet. Sie bekamen dafür eine Beschäftigungsgarantie über mindestens zwei Jahre sowie eine langfristige Perspektive für den Standort, die nicht nur von der Kieler Geschäftsführung getragen wird, sondern auch von der Caterpillar-Zentrale in Peoria (Illinois).

Die Verhandlungen waren nicht einfach, teilweise von Warnstreiks begeleitet. Dass beide Seiten dabei nie den Gesprächsfaden durchrissen, lässt für die Zukunft hoffen. Denn die Abmachung muss nun mit Leben erfüllt werden und auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden.

Jörn Genoux erreichen Sie unter

joeg.red@kieler-nachrichten.de

Kieler Nachrichten vom 27.03.2003
Druck der Belegschaft schafft den ersten „Durchbruch“
Die 800 Mitarbeiter auf der Info-Veranstaltung des Betriebsrates am 12.02.03 haben einen gewaltigen Eindruck bei der Geschäftsleitung hinterlassen. Die Verhandlungskommission des Betriebsrates fühlte sich deutlich gestärkt und konnte offensiv die Forderungen vortragen.

Ein erster „Durchbruch“ konnte bei der Gestaltung des Standortes und seiner Zukunft erreicht werden. Zu den Forderungen des Betriebsrates zur Komponentenfertigung und Montage wurde eine erste positive Aussage gemacht. Demnach sollen weiterhin die Komponenten Zylinderkurbelgehäuse, Pleuelstangen, Zylinderköpfe und Ventile in Kiel gefertigt werden. Auch für die Motorenmontage wurde ein Stück Perspektive fest gehalten. Danach besteht die Absicht, bis zum Jahre 2006 den M 32 Reihe weiterhin in Kiel zu fertigen. Die Zukunft des M 25 entscheidet sich an der Weiterentwicklung des HI 26 von Hyundai. Offen aber ist immer noch die Situation der Gießerei.

Bewegung gibt es auch bei der Personalplanung. Wenngleich die Position zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat noch weit auseinander liegen. Keine Einigkeit ist bei der Absicht des Lohn- und Gehaltsklau zu erkennen. Bei dieser Auseinandersetzung benötigen wir dringend die Unterstützung der Belegschaft (siehe oben). Die nächste Verhandlung ist am 26.02.03. Davor wird sich die Verhandlungskommission weiterhin mit dem Zahlenwerk auseinandersetzen. Zu klären gilt die unterschiedlichen Veröffentlichungen nach deutschem Handelsrecht und den Meldungen nach CAT-USA. Am 25.02.03 muß sich dann die Geschäftsleitung in der Betriebsversammlung der Belegschaft stellen.

Offene Punkte sind weiterhin: Personalabbau, Lohn- und Gehaltsklau, Schließung der Ausbildung, Schließung der Kantine, Zukunft der Gießerei, Einführung ERA, Forschung und Entwicklung, Motorenmontage und Lok-Motoren.





Die Geschäftsleitung fordert erneut starke Einschnitte bei den Beschäftigten der Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG in Friedrichsort.
Auch die Ausbildung steht auf der Streichliste des Konzerns.
Es folgt die Stellungnahme des Betriebsrates.
(23.01.03)


Am 08.01.03 wurde dem Betriebsrat der Caterpillar Motoren GmbH & Co. KG in Friedrichsort die Konkretisierung eines Kostensparprogramms für die nächsten Jahre vorgestellt.

Weil dem Betriebsrat unterstellt wurde, er hätte die in der o. g. Veranstaltung erhaltenen vertraulichen Unterlagen dem NDR und der KN zugänglich gemacht, wurde am 10.01.03 auch die Belegschaft über die geplanten Maßnahmen informiert.

In dieser Veranstaltung wurde durch die Herren der Geschäftsleitung ein Katalog von Einsparforderungen vorgestellt, welches für die Jahre 2003/ 2004 jeweils 28,8 Mio. € umfasst.

So soll beim Einkauf 7,3 Mio.€ und im Fixkostenbereich 8,5Mio.€, davon allein 4,4Mio. € bei Forschung und Entwicklung eingespart werden. Der größte Brocken soll aber mit 13 Mio. € aus dem Personalbereich kommen.

Zur Realisierung dieses Einsparzieles machte die Geschäftsleitung zwei Vorschläge:

1.Es werden 230 Mitarbeiter entlassen!
oder
2.Es werden unter Beteiligung der IG Metall, Stadt Kiel, Wirtschaftsministerium und KIWI nach Möglichkeiten gesucht, den Personalabbau geringer ausfallen zu lassen und den Standort zu erhalten.
Dennoch soll auch in diesem zweiten Szenario 125 Mitarbeiter Ihren Arbeitsplatz verlieren und alle Leistungen überprüft und ein gekürzt werden.

So soll nach Vorstellung der Geschäftsleitung alle 40 Std. Verträge auf 35 Std. reduziert werden. Es besteht die Absicht, alle übertariflichen Schichtzulagen zu streichen. Alle anderen übertariflichen Zulagen sollen um 50% gekürzt werden.
Weiter will die Geschäftsleitung im Leistungslohnbereich die Akkord- und Prämienlöhne auf das Vossloh-Niveau reduzieren.
Bei Vossloh wird heute im Schnitt 130% Leistungslohn gezahlt.

Abgerundet wird dieser Einsparkatalog mit der Absicht der Anrechnung von Tariferhöhungen und keine Gehaltsaufstockung bei den AT's.

Damit aber noch nicht genug. Eine weitere Maßnahme der Kostenersparnis soll die Beendigung der Ausbildung sein. Es besteht die Absicht, für den Standort Friedrichsort einen öffentlichen Träger zu finden, der die Ausbildung übernehmen soll.

Caterpillar will sich mit seiner geplanten Maßnahme aus der Verantwortung für die qualitative Nachwuchsförderung stehlen.

Der Betriebsrat wird in den nächsten Tagen die Verhandlungen zu diesem Einsparpaket aufnehmen und seine Forderungen einbringen. Dabei ist die Forderung neben dem Erhalt des Standortes „Wenn gespart werden muss, dann nur, wenn die Belastung auf alle Schultern gleichmäßig verteilt wird“, die wichtigste.

Eine unverhältnismäßig hohe Belastung der Schichtarbeiter und Leistungslöhner wird von Betriebsratsseite nicht mit getragen.
Mit getragen aber wird die Aussage, den Tarifvertrag nicht zu unterschreiben und eine Lösung für die Übernahme der Azubis anzustreben.

Die Verhandlungen werden sich aller Voraussicht nach sehr schwierig gestalten. Daher fordern wir noch einmal die Belegschaft dazu auf, den Betriebsrat dabei zu unterstützen.
(23.01.03)






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