Der Vorstand der HDW hat am Montag, dem 28. Juli 2003, der Tarifvertragspartei der IG Metall mitgeteilt, dass er keine Möglichkeiten sieht, weitere Verhandlungen über einen Mitarbeiterbeitrag zu führen. Das Angebot der Betrieblichen Tarifkommission, weiter zu verhandeln, schlägt er damit aus.
Letztendlich war die Frage des Verzichts von jährlich 12 Mio. € ohne jede zeitliche Begrenzung der ausschlaggebende Punkt. Der Vorstand war auch mit einer längeren Übergangsregelung nicht kompromissbereit.
Wir bedauern den Abbruch der Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt. Vielleicht sind im Augenblick die Begleitumstände für einen einigermaßen fairen Kompromiss auch einfach zu schwierig. Der im Augenblick durch alle Medien laufende eventuelle Verkauf der HDW an einen neuen, ausländischen Anteilseigner trägt sicher nicht zur Beruhigung der Situation bei. Ebenso ist der während der Verhandlung plötzlich aufgetauchte Entwurf eines Branchentarifvertrages vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik überhaupt nicht hilfreich.
Auf der vom Vorstand einberufenen Belegschaftsversammlung am 25. Juni 2003 wurde unter "was passiert jetzt?" von Herrn Dr. Burmester vorgetragen: Verhandlungen mit Betriebsrat und Tarifpartner über diesen Vorschlag:
Der Abbau von immerhin noch 742 Arbeitsplätzen,
der Lohn- und Gehaltsverzicht von 10 % dauerhaft (12 Mio. € jährlich),
3 Stunden pro Woche Arbeitszeitverlängerung ohne Lohn- und Gehaltsausgleich,
erhebliche Produktivitätssteigerungen und
die Ankündigung von weiteren Kündigungen im Overhead-Bereich,
In Wirklichkeit ließ der Vorstand überhaupt keinen Verhandlungsspielraum zu.
Es ging nur um die Annahme ihrer Forderungen, oder der Auftrag kommt nicht zustande.
Gewerkschaft, Betriebliche Tarifkommission, Vertrauensleute, Betriebsrat und Belegschaft sind mit großen Schritten - die bekannten 14 Punkte - auf den Vorstand zugegangen und trotzdem blieb er bei der maximalen Forderung. - Das ist sehr bitter! -
Dass Vorstand und Anteilseigner hier nicht verhandlungsfähig waren, ist bedauerlich; ändert aber nichts am Ergebnis.
Unser Verhandlungsauftrag, der von der großen Mehrheit der Belegschaft getragen wurde, war, eine zeitlich befristete Regelung zu treffen. Dieser Auftrag wurde von uns voll ausgeschöpft. Darüber hinauszugehen, wäre nicht redlich gewesen. Es war so schon ein schwieriger Balance-Akt und nur durch eine breit angelegte solidarische Grundhaltung der Belegschaft war dieser Verhandlungsauftrag möglich.
Es hat sich gezeigt, dass die HDW-Belegschaft auch in schwierigen Zeiten zusammenhält und auch bereit ist, Probleme gemeinsam zu lösen. An dieser Stelle möchten wir uns für die Unterstützung noch einmal recht herzlich bedanken.
Kiel, 29.07.2003
Hartmut Schulz Wolfgang Mädel Ernst Kiel
IG Metall Bezirk Küste IG Metall OV Kiel Betriebsratsvorsitzender
Der Vorstand der HDW hat am Freitag, dem 18. Juli 2003, der Verhandlungskommission unmissverständlich mitgeteilt, dass nur dann weiterverhandelt wird, wenn die Tarifvertragspartei IG Metall und der Betriebsrat sich vorher schriftlich verpflichten, dass auf Dauer jährlich 12 Millionen Euro durch Lohn- und Gehaltsabsenkungen eingespart werden.
Dieser Punkt wurde ausführlich in der Tarifkommission beraten. Wir sind, wie die meisten unserer Mitglieder, und auch die große Mehrheit der Beschäftigten der HDW, nicht damit einverstanden.
Unser Verhandlungsauftrag, der auf die Ergebnisse aus den Diskussionen, die am 1. und 2. Juli 2003 durchgeführten offenen Mitgliederversammlungen basiert, ist nach wie vor unsere Verhandlungsgrundlage und lautet:
Eventuelle Regelungen in Zeit oder Geld sind auf den Auftragszeitraum zu beschränken.
Vorrang sollen Zeitregelungen und Komponenten haben, welche die Entgelte nicht grundlegend verändern.
Es soll darauf geachtet werden, dass die Personen, die mehr haben, auch mehr geben.
Die Auszubildenden sind von jeglichen Regelungen ausgenommen.
Die auslaufende Regelung über Arbeitszeitflexibilisierung ist in ihren finanziellen Wirkungen als Arbeitnehmerbeitrag mit einzubeziehen.
Offenlegung aller Daten und Fakten, die mit dem Auftrag in Verbindung stehen.
Offenlegung der wirtschaftlichen und finanziellen Situation der Werft.
Deutliche Verringerung der angekündigten betriebsbedingten Kündigungen.
Überprüfung des von MPC öffentlich dargestellten, „extrem niedrigen Baupreises“.
Beschäftigungssicherung für die Laufzeit einer Sonderregelung.
Verhinderung von Auswirkungen auf eventuelle Lohnersatzleistungen.
Herstellung eines mit anderen deutschen Werften vergleichbaren Verhältnisses von Führungs-personal zu ausführendem Personal.
Qualifizierung des Führungspersonals.
Klärung von Maßnahmen zur Senkung des Stundensatzes.
Klärung von Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz und Produktivität der Arbeitsorganisation.
Auf dieser Grundlage haben wir bisher die Verhandlungen geführt und erklären uns auch bereit, ent-sprechend weiterzuverhandeln.
Verhandeln heißt für uns:
offen aufeinander zuzugehen;
einen für beide Seiten noch vertretbaren Kompromiss einzugehen;
einen fairen Deal einzugehen.
Es ist überhaupt nicht hilfreich, dass während der HDW-Haustarifverhandlungen der Werftenverband VSM (Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V.) mit Wissen der HDW-Führung einen Branchentarifvertragsentwurf vorlegt und damit für erhebliche Irritationen sorgt. Darüber hinaus ist es auch nicht hilfreich, dass die Verhandlungen von einem eventuellen Verkauf der Werft überschattet werden.
Weder der jetzige Anteilseigner, noch ein potentieller Erwerber haben bisher eine langfristige Perspektive für unser Unternehmen als Ganzes und für den Erhalt der Arbeitsplätze gegeben.
Aber diese Perspektive brauchen wir, wenn wir einigermaßen fair miteinander umgehen wollen. Und hierbei geht es nicht allein um Zeit, sondern auch um Strukturen und Ausrichtung unserer Werft.
Wir sind bereit! - Wir wollen verhandeln!
Wir sind bereit, projektbezogene Teilschritte zu vereinbaren, wenn auch Sicherheit und Perspektiven für Standort und Beschäftigte geklärt sind sowie Strukturen und Ausrichtung der Werft deutlich werden.
Die Betriebliche Tarifkommission und die Vertrauensleute der IG Metall haben zusammen mit dem Betriebsrat einen breit angelegten Meinungsbildungsprozess mit der gesamten Belegschaft der HDW durchgeführt. In 10 offenen Mitgliederversammlungen, an denen trotz der Urlaubszeit über 2.000 Beschäftigte teilgenommen haben und ca. 140 Wortbeiträge erfolgten, haben viele Kolleginnen und Kollegen konstruktive und wertvolle Hinweise gegeben. Diese Belegschaft ist bereit, ihren Teil zum Erhalt der Werft beizutragen. Aber es muss eine Zukunft für diese Werft geben. Außerdem muss die Verhältnismäßigkeit zwischen Geben und Nehmen gewahrt sein.
Wer die augenblicklich schwierige Situation dazu nutzen will, einseitig etwas durchzusetzen, ist schlecht beraten.
Nur gemeinsam gibt es eine Zukunft für die HDW!
Kiel, 21.07.2003
Hartmut Schulz Ernst Kiel
IG Metall Bezirk Küste Betriebsratsvorsitzender
Gestern am 25.06.03 hat der Vorstand der HDW die Belegschaft darüber informiert, zu welchen Bedingungen ein Auftrag über vier Containerschiffe hereingenommen werden kann und wie die Werft in Zukunft positioniert sein soll.
Nach Darstellung des Vorstandes sind Aufträge für die HDW im Augenblick nur unter zusätzlichen Risiken = Verlusten zu bekommen und das heißt, dass sich die Beschäftigten, die Politik (Bund und Land) sowie der Anteilseigner mit erheblichen Beiträgen beteiligen müssen.
Die IG Metall-Vertrauensleute der HDW haben in einer Zusammenkunft, die im Anschluss an die Belegschaftsversammlung stattgefunden hat, dieses Problem beraten und sind zu einer ersten Stellungnahme gekommen:
Es ist unstrittig, dass sich unsere Werft in einer schwierigen Situation befindet.
Es ist auch unstrittig, dass wir dringend neue Aufträge brauchen.
Wir wollen Arbeit, aber nicht um jeden Preis!
Wenn es Verhandlungen gibt, müssen die Bedingungen durch Daten und Fakten klar nachvollziehbar sein.
Tariffragen werden in der betrieblichen Tarifkommission beraten.
Ein Verhandlungsauftrag für Tariffragen wird von den IG Metall-Mitgliedern erteilt.
Ein Entgegenkommen gibt es nur, wenn dabei mehr Sicherheiten für die Beschäftigten herauskommen.
Die Vertrauensleute haben festgelegt, dass die Gewerkschaftsmitglieder sich sehr zeitnah zu Tariffragen äußern werden. Daher ist geplant, in der nächsten Woche 10 Veranstaltungen der IG Metall-Mitglieder durchzuführen. Selbstverständlich können an dieser Veranstaltung auch interessierte Nicht-Mitglieder teilnehmen; aber Tarifangelegenheiten entscheiden nun einmal die IG Metall-Mitglieder. Sie sind es ja schließlich, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen und tatkräftigen Unterstützungen das Zustandekommen von Tarifverträgen ermöglichen.
Tarifverträge gelten für die Mitglieder der Tarifvertragsparteien: das sind auf der einen Seite der Verband Nordmetall mit seinem Mitglied HDW, und auf der anderen Seite die IG Metall mit ihren Mitgliedern.
Bisher hat der Vorstand entschieden, dass alle HDW-Beschäftigten nach Tarif bezahlt werden, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass das Unternehmen nicht verpflichtet ist, diese Bezahlung auch zukünftig zu leisten.
Die Mitteilung über die Zeiten und Orte der Informations-Veranstaltungen werden kurzfristig bekannt gegeben.
Wolfgang Mädel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall
Ernst A.. Kiel, stellv. Vertrauenskörperleiter
Die Aktion „Kiel steht auf“ findet bei HDW ihre Fortsetzung. Auf Initiative der Stadtpräsidentin hat die Ratsversammlung heute eine Resolution zur Erhaltung des Standortes für den Handelsschiffsbau verabschiedet und nach einem Fussmarsch zur Werft den Beschäftigten verlesen und der Geschäftsführung von HDW überreicht.
Weiter bietet die Ratsversammlung jede möglich Unterstützung an und fordert dazu Vorschläge vom Vorstand und Aufsichtsrat der HDW.
Immer größer wird auch die Unterstützung aus anderen Betrieben. Nicht nur aus anderen von Arbeitsplatzabbau gefährdeten Betrieben waren Kolleginnen und Kollegen dabei, auch aus Betrieben, in denen es zur Zeit „brummt“ waren viele dabei. Die Solidarität zwischen den Betrieben wächst stetig an. (20.02.03)
Die Bilder...
Vertreter aus mehreren Kieler Betrieben beteiligen sich an der Mahnaktion der HDW-Kollegen. Ziel der Aktion war die Landtagsabgeordneten auf die derzeitige Situation der Werft, aber auch auf die der anderen Kieler Betriebe, aufmerksam zu machen.
Morgen, am 20.02.03 wird um 15.30 Uhr vor dem Haupttor der HDW die Resolution der Ratsversammlung an HDW übergeben. Die IG Metall ruft alle Kollegeninnen und Kollegen der Kieler Betriebe auf sich an der Aktion zu beteiligen. (19.02.03)
Am 11. Februar legte der HDW-Vorstand ein Konzept vor, das sofort als „Horrorkatalog” die Runde machte: Weitere 742 Arbeitsplätze sollen auf der Werft in Kiel vernichtet werden. Betriebsrat und IG Metall wollen das mit allen Mitteln verhindern.
Der Widerstand gegen die Unternehmenssanierung – für einen Verkauf? – ist sofort auf vollen Touren angelaufen. Empört ist die Belegschaft nicht nur, weil seit August 2002 bereits 200 Arbeitsplätze abgebaut wurden und sie viele Opfer für den Erhalt der HDW gebracht hat, sondern auch weil das Vorstandkonzept die Zukunft der Werft gefährdet.
„Die Entlassungswelle bedroht die Handlungsfähigkeit im Handelsschiffbau und als reine U-Boot-Werft ist HDW nicht überlebensfähig”, sagt Betriebsratsvorsitzender Ernst-August Kiel.
Jetzt reicht es!!!
HDW-Vorstand kündigt Massenentlassungen und Lohnabbau an!
Weitere 742 Arbeitsplätze sollen vernichtet werden!
So wollen es auf jeden Fall die Herren Dr. Helmut Burmester, Dieter Görlitz, Hanfried Haun, Hans-Joachim Schmidt und Walter Freitag.
Unternehmenssanierung auf Kosten der Beschäftigten!
Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahr her, dass im August 2002 fast 200 Arbeitsplätze abgebaut worden sind.
Damals hat der Vorstand angekündigt, dass die Personalanpassung und die Versetzung von über 300 Beschäftigten aus dem Handelsschiffbau in den U-Bootbau die Werft in die Lage versetzt, wieder Aufträge hereinzuholen. Aber - im Gegenteil - nichts ist geschehen! Im Überwasser-Bereich sind seit über 3 1/2 Jahren keine Aufträge hereingeholt worden!
Wieso haben alle anderen deutschen Werften volle Auftragsbücher? Hat der Vorstand zu lange an nicht durchsetzbaren Aufträgen festgehalten, oder ist diese Situation bewusst herbeigeführt worden?. Sollen wir etwa "gesundgemacht" werden für einen erneuten Verkauf?
Die Ankündigung des Vorstandes, erneut Personal abzubauen, kann keinesfalls hingenommen werden. - So kann es nicht weitergehen!
Wir erwarten vom Vorstand einen "klaren Kurs", Aufträge sowohl für den Über- als auch für den Unterwasserbereich, ein Bekenntnis zum Erhalt des Handelsschiffbaus, Sicherung des Standortes Kiel und Sicherung aller Arbeitsplätze.
Die Belegschaft hat zum Erhalt der HDW vieles dazu beigetragen, zum Beispiel: hoch flexible Arbeitszeitmodelle, Arbeitszeit- und Langzeitkonten - zurzeit mit über 550.000 Stunden - und eine Mehrarbeitsregelung, die zur Arbeitsplatzsicherheit beiträgt. Dass diese Möglichkeiten von der Unternehmensführung nicht genutzt wurden, um Aufträge hereinzuholen, ist bedauerlich.
Im Oktober 2002 wurde der Vorstand von vier auf fünf Mitglieder "verstärkt". Nun erwarten wir aber auch, dass der Vorstand seine Arbeit macht!
Eine Entlassungswelle in dieser Größenordnung stößt in der heutigen Zeit nicht nur die betroffenen Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit, sondern sie gefährdet auch die eigenständige Handlungsfähigkeit des Handelsschiffbaus. Eine reine U-Bootwerft ist auf Dauer nicht überlebensfähig! Dieses Konzept gefährdet alle Arbeitsplätze und die HDW als Ganzes.
Wie kann man nur glauben, dass die Aufgabe von wichtigen Kernkompetenzen der HDW im Handelsschiffbau zu neuen Aufträgen führen wird! - Das Gegenteil ist der Fall: Unsere Kunden wollen Gesamtlösungen. Nur einen Ausrüstungsplatz zur Verfügung zu stellen, das können andere auch!
Die Qualifikation, das Wissen und die enormen Erfahrungen der Beschäftigten, die Infrastruktur, die technologische Ausrüstung der HDW, dies alles darf nicht kurzfristigen Kosteneinsparungskonzepten zum Opfer fallen.
HDW hat gerade wegen der überwiegenden Staatsaufträge eine besondere soziale Verpflichtung gegenüber den Beschäftigten. Rüstungsaufträge hereinzunehmen und "Leute rauszuschmeißen" passt nicht zusammen!
Sollte der Vorstand sein Konzept durchsetzen wollen, werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren!
Sollten die Gesamtkapazitäten heruntergefahren werden, sind wir gegen einen weiteren Personalabbau. Wir werden uns statt dessen dafür einsetzen, dass die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird.
Und noch eines sollte dem Vorstand klar sein: Zusätzlich zu jedem Arbeitsplatz, der bei HDW vernichtet wird, wird mindestens ein weiterer bei den Zulieferfirmen vernichtet werden! Und das in einer Region, die im Augenblick verstärkt vom Arbeitsplatzabbau betroffen ist.
Deshalb fordern wir ALLE auf, mit uns für den Erhalt aller Arbeitsplätze auf HDW einzutreten!