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Verwaltungsstelle Osnabrück
Gedichte ...
auch mal zum Nachdenken


Maigruß für Michel Tunichts
Wenn du fragst zum 1. Mai:
„Was ist schon erreicht?“
sag ich: „Du bist nie dabei,
du machst es dir leicht.

Denk doch mal darüber nach -
nichts ging ohne Dampf.
Urlaub und Achtstundentag:
unsrer Väter Kampf.

Du stehst nur am Straßenrand
und hast kein Gesicht,
baust dein Kartenhaus auf Sand.
Schämst du dich denn nicht?

Zu erringen ist nicht leicht,
was noch nicht geschafft.
Ziele werden nur erreicht
mit vereinter Kraft.

Nur am Zahltag ziehst du mit.
Ist das nicht ein Hohn?
Du kassierst als Parasit
den erkämpften Lohn.

Doch es ist noch nicht zu spät.
Mach dich endlich frei.
MUT UND SOLIDARITÄT;
DAS IST UNSER MAI!

Einsicht
Als sie mich in die Gewerkschaft
holen wollten, war mir das Geld zu schade:
ich bin lieber nach Mallorca gefahren.

Als sie mit mir über die Krise
diskutieren wollten, war mir die Zeit zu schade:
ich mußte dringend meinen Wagen reparieren.

Als sie mich für den Streik
gewinnen wollten, war ich mir selbst zu schade:
ich habe auf eine höhere Lohnstufe gehofft.

Heute habe ich viel Zeit zum Diskutieren:
ich bin arbeitslos.

Peter Schütt

IGM
Jeder kennt doch das Gefühl,
plötzlich wird’s im Leben kühl,
weil man weiß man ist allein
und es hilft einem kein Schwein.

Jeder weiß doch, wie das ist,
wenn du plötzlich hilflos bist,
weil dir Stärke fehlt und Mut
und es wächst in dir die Wut.

Jeder weiß auch, was das heißt,
wenn man sich die Lippe beißt,
weil man denkt es hat kein´ Sinn,
solange ich alleine bin.

Denn die andern sind so groß,
ich so´n kleines Lichtlein bloß,
jeder weiß wie gut das wär,
käm´ dann irgendwer daher,

der dir sagt: „Ich Gehe mit!“
Und dann plötzlich - Schritt für Schritt,
erst zu zweit und dann zu dritt
käme man in Tritt.

Jeder Wünsche sich so sehr,
wird es wieder einmal schwer
und das Leben scheint zu klemmen,
Dieser Ruf: „Komm, IGM!“

(aus dem Gedichtband von Thorsten Stelzner - Im Zweifel für die Nörgler)

Brief an den Weihnachtsmann
Lieber, guter Weihnachtsmann,
weißt du nicht, wie's um uns steht?
Schau dir mal den Globus an. Da hat einer dran gedreht.
Alle stehn herum und klagen. Alle blicken traurig drein.
Wer es war, ist schwer zu sagen, keiner will's gewesen sein.
Uns ist gar nicht wohl zumute. Kommen sollst du,
aber bloß mit dem Stock und mit der Rute.
(Und nimm beide ziemlich groß.)
Breite deine goldnen Flügel aus, und komm zu uns herab.
Dann verteile deine Prügel. Aber bitte nicht zu knapp.
Lege die Industriellen kurz entschlossen übers Knie.
Und wenn sie sich harmlos stellen, glaube mir, so lügen sie.
Ziehe denen, die regieren, bitte schön, die Hosen stramm.
Wenn sie heulen und sich zieren, zeige ihnen ihr Programm.
Komm, und zeige Dich erbötig, und verhau sie, daß es raucht!
Denn sie haben's bitter nötig. Und sie hätten's längs gebraucht.
Komm erlös uns von der Plage, Komm, weil kein Mensch das gar nicht kann,
Ach das wären Feiertage, lieber, guter Weihnachtsmann!

Erich Kästner
(aus: Die Weltbühne, 1930)

Weihnachtsgedanken
Der Braten in der Röhre steckt.
Habt ihr den Opa schon geweckt?
Sind die Geschenke schon verpackt?
Das Jüngste hat sich eingekackt.
Habt ihr den Baum denn schon geschmückt?
Bei soviel Stress werd’ ich verrückt.
Ich halt’ das nicht mehr aus,
gleich nach dem Fest, da zieh ich aus.
Ich geh’ auf’s Land, geh’ ganz weit weg,
wo Weihnachten noch nach altem Zweck
im Kopf auch was von Frieden weckt.

Erhard Raimer





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