Bei ZF in Saarbrücken demonstrierten nach Gewerk- schaftsangaben über 2000 Metaller für acht Prozent mehr Lohn.
Saarbrücken/Frankfurt. An den Warnstreiks in der Metall- und Elektro- industrie haben sich im Saarland gestern nach Gewerkschaftsangaben fast 6000 Beschäftigte aus 15 Betrie- ben beteiligt. Allein bei ZF in Saarbrücken versammelten sich mehr als 2000 Metaller zu einer Kund- gebung, bei Ford Saarlouis waren es über 3000, wie die IG Metall berichtete. Bundesweit gingen am fünften Warn- streiktag 115 000 Metaller für die Forderung der Gewerkschaft nach acht Prozent mehr Einkommen auf die Straße. IG-Metall-Chef Berthold Huber stellte den Arbeitgebern ein Ultimatum: Sollte in dieser Runde kein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt wer- den, gebe es umgehend eine Urab- stimmung über einen Arbeitskampf. „Am 11. November gibt es eine Einigung oder es kommt zum Arbeits- kampf“, sagte Huber.
„Die Acht ist eine gute Zahl“
Gestern Morgen vor dem Werkstor bei ZF Getriebe in Saarbrücken: Die Metaller fordern acht Prozent mehr Geld.
Warnstreik der IG Metall bei ZF Getriebe Saarbrücken – Viele Gründe für Lohn-Plus
„Rund 3000 Mitarbeiter haben gestern ihre Arbeit bei ZF Getriebe in Saarbrücken niedergelegt. Sie unterstützten mit Warnstreiks die Forderung der IG Metall nach acht Prozent mehr Lohn. Ein SZ-Mitarbeiter sammelte vor Ort Stimmen. .
Saarbrücken. Die Gewerkschaft IG Metall fordert weiterhin acht Prozent mehr Lohn und Gehalt für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Die Warnstreiks im ganzen Saarland hatten gestern ihren Schwerpunkt bei ZF Getriebe in Saarbrücken: Dort traten Punkt 8.30 Uhr nach Angaben der Gewerkschaft rund 2000 Mitarbeiter vor das Werkstor, mittags dann nochmals 1000. Die SZ wollte von den Protestlern wissen, was sie von der aktuellen Lohnrunde erwarten – oder auch erhoffen. Victoria Hollinger (23) ist Zerspanungsmechanikerin bei ZF und findet die Acht-Prozent- Forderung wichtig, weil gerade die Jugendlichen im Betrieb ihre Lebenshaltung mit vergleichsweise schmalen Einkommen sichern müssten. „Auch die Jugend braucht eine Startchance“, sagte sie und fügte an, dass man außerdem der Gesamtwirtschaft einen Vorteil verschaffe, wenn man mehr Geld ausgeben könne. Zwar räumte sie ein, dass man bei ZF besser verdiene, aber anders als in anderen Betrieben arbeite man auch im Schichtdienst. Thomas Bollinger (24) ist der Vorsitzende der ZF-Jugendvertretung: „Die Acht ist eine gute Zahl. In ihr steckt auch der langjährige Lohnverzicht“, sagte er. Jetzt sei es an der Zeit, von dem Gewinn der Branche etwas abzubekommen. Am Spritpreis und an den Lebensmitteln spüre jeder Arbeitnehmer die allgemeine Teuerung. Die geplante Lohnsteigerung müsse das ein wenig ausgleichen. Die Jugend im Betrieb stehe geschlossen dahinter. Lisa Emmerling (18) arbeitet bei ZF in der Ausbildungswerkstatt und erlernt den Beruf des Industriemechanikers. „Mit der Lohnrunde wird die Kaufkraft der Arbeitnehmer gesteigert“, sagte sie. „Nur so kann man die Wirtschaft ankurbeln und den Lebensunterhalt bestreiten.“ Alles werde teurer. Forderungen nach mehr Bescheidenheit wies sie energisch zurück: Solche Forderungen seien „unqualifiziert“, solange die Arbeitgeber Gewinne erwirtschaften würden. Schließlich seien die Arbeitnehmer für den Erfolg der Unternehmen verantwortlich. Secil Dombak (32) ist Montagemitarbeiterin. Sie spüre täglich, dass alles teurer wird und will „etwas mehr in der Tasche haben“. Über Jahre habe die Metall- und Elektroindustrie fette Gewinne eingefahren. Diese Gewinne dürften die Arbeitgeber nicht einfach für sich behalten. Daher wünsche sie sich die acht Prozent. „Zurückhaltung wäre jetzt der falsche Weg“, meinte die junge Frau. Kai Dörrenbächer arbeitet ebenfalls in der Montage. „Alles wird teurer, und wir können nicht dafür einstehen“, fand der Dreißigjährige. „Wir geben alles und wollen etwas dafür“, sagte der junge Mann mit der roten Mütze: „Die Bonzen und die Politiker erhöhen sich die Gehälter einfach selbst“. Und er nennt als Beispiel die regelmäßigen Diätenerhöhungen der Politiker. Salih Taskiran (45) ist Maschinenbediener. „Sprit, Gas und Strom haben sich extrem verteuert“, sagt er. Das alles sei nicht die Schuld der Arbeitnehmer. Da nutze es auch nichts, wenn Fernseher günstiger geworden sind. Er brauche nur einen. „In der Finanzkrise haben andere Mist gebaut – dafür wollen wir nicht den Kopf hinhalten“, sagte Salih Taskiran.